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Wetten gegen den Trend – wann macht das Sinn?

Wer beim Sportwetten die Augen auf macht, der wird schnell feststellen, dass die sichersten Wetten meistens die sind, die mit dem Trend gesetzt werden. Sprich: Wenn eine Mannschaft gerade richtig blöd dasteht, der Trainer kurz vor der Entlassung ist und eigentlich alle bisherigen Auswärtsspiele verloren wurden, dann wird kaum jemand beim nächsten Spiel in der Fremde auf einen Sieg eben dieser Mannschaft setzen – das Geld wandert eher zu der Favoritenwette. Es gibt allerdings Fälle, bei denen macht das Wetten am ehesten Sinn, wenn gegen den Strom geboten wird. Wir haben uns mit dieser Frage beschäftigt, Beispiele herausgesucht und einige Anhaltspunkte zusammengetragen, anhand derer es oftmals Sinn ergibt, statt auf den Favoriten, auf den Außenseiter zu tippen.

Beispiele auch im realen Leben

Wer sich mit Wahrscheinlichkeitsrechnung auskennt der weiß, dass selbst die wahrscheinlichsten Ergebnisse nicht zwangsläufig auch eintreten müssen. Dieser Grundsatz gilt nicht nur im echten Leben, sondern auch bei Sportwetten. Wenn sich mein Bus dreimal hintereinander verspätet hat, heißt das schließlich nicht, dass er auch am vierten Tag zu spät kommen muss. Die Wahrscheinlichkeit für das Zu-Spät-Kommen ist zwar relativ groß, doch es ist durchaus möglich, dass er pünktlich eintrifft. So ist es auch beim Sport: Bloß, weil eine Mannschaft dreimal hintereinander verloren hat, muss dies nicht ein viertes Mal passieren. Serien sind vor allem dazu da, durchbrochen zu werden. Doch vor allem: Wer sich dazu entscheidet, gegen den Trend zu wetten, muss sich vorher gründlich mit der Thematik beschäftigen. 

Welche Gründe mag es geben, dass eine Serie reißt?

Was uns wieder zu dem Beispiel mit dem Bus zurückführt: Wir müssen uns natürlich die Frage stellen, warum der Bus zu spät kommt:

  • Es gab drei Tage lang eine Baustelle, daher musste der Bus dort länger warten als üblich – am vierten Tage ist diese Baustelle aber nicht mehr da
  • Der Busfahrer hat dreimal hintereinander verschlafen – weil er nun Ärger bekommen hat, verschläft er sicherlich kein viertes Mal
  • Ein neuer Busfahrer musste sich erst an die Eigenheiten der Strecke gewöhnen – nach drei Tagen hat er es endlich drauf

So banal die Beispiele auch sein mögen, sie lassen sich prima auf Sport, zum Beispiel Fußball, übertragen:

  • Die Mannschaft hat dreimal hintereinander verloren, weil der wichtigste Abwehrspieler verletzt war – beim vierten Spiel ist er wieder voll da
  • Drei Niederlagen in Folge, weil die Mannschaft unkonzentriert gespielt hat – der Vereinsboss hat mal richtig auf den Tisch gehauen, beim vierten Mal ist alles anders
  • Die Mannschaft kommt offensichtlich mit dem Trainer nicht mehr klar – er wird vor dem vierten Spiel entlassen

So haben wir schon eine ganze Reihe von Gründen, warum gegen den Trend wetten durchaus sinnvoll sein kann. Alle diese Gründe setzen eines voraus: Wir müssen uns mit dem bevorstehenden Sportereignis intensiv beschäftigen.

Beispiel FC Bayern München 2016/17

Der FC Bayern München begann die Saison 2016/17 mit einigen sehr guten Auftritten und Kantersiegen. Dann, am fünften Spieltag, war die Mannschaft in Hamburg zu Gast, einem Team, dass sich bereits zu einem sehr frühen Zeitpunkt mit dem Thema Klassenerhalt auseinandersetzen musste. Die meisten Experten haben einen Sieg für München vorausgesagt, und zwar einen deftigen. Handicap Wetten auf einen Auswärtssieg mit -2 oder auf ein Ergebnis mit über 3,5 Toren waren keine Seltenheit. Und was passierte? Bayern gewann „nur“ und mit viel Mühe 1:0. Die nächsten drei Spiele konnten vom deutschen Rekordmeister nicht mehr gewonnen werden:

  • Atlético Madrid – FC Bayern München 1:0
  • FC Bayern München – <1. FC Köln 1:1
  • Eintracht Frankfurt – FC Bayern München 2:2

Spätestens nach dem 1:1 gegen Köln wurde deutlich, dass sich die Bayern in einer kleinen Krise befanden. Für das Spiel in Frankfurt wurden die online Buchmacher bereits etwas vorsichtiger, dennoch sahen alle die Bayern als den haushohen Favoriten. Wer mit Fachwissen und ein wenig Risikobereitschaft gegen den Strom gewettet hat, der konnte sich am Ende über einen satten Gewinn freuen – zum Beispiel mit der Double Chance 1/x.

Wie wird es weitergehen?

Dieses eben gezeigte Beispiel hätte natürlich auch nach hinten losgehen können, weshalb Profiwetter bei einem solchen Spiel sicherlich keine großen Summen wetten, sondern nur wenig aus ihren Budget erübrigen. Dafür werden sie aber mit tollen Quoten für ihr Engagement belohnt. Wie sieht es nun für das nächste Spiel der Bayern aus? Nun, das hängt wieder von verschiedenen Faktoren ab. Sicherlich wird vor dem nächsten Spiel einiges geändert werden, so dass ein erneutes Setzen gegen den Trend wenig Sinn ergeben würde. Genaueres wissen wir aber immer erst dann, wenn das Spiel gelaufen ist.

Die verschiedenen Wetttypen

Wir müssen außerdem noch unterscheiden, aus welchen Gründen jemand gegen den Trend wettet:

  • Entweder aus Liebe zum Verein/Sportler auf den gewettet wird – ein echter Fan wird emotional entscheiden und nie oder selten rational
  • Aus dem Wissen heraus, dass sich diesmal etwas ändern wird – auf Grund von verschiedenen Faktoren und völlig ohne Emotionen

Ein echter HSV-Fan würde wohl niemals bei einem Spiel HSV gegen FC Bayern München gegen seine Mannschaft wetten – lieber würde er diesmal auf das Wetten verzichten. Ein Wett Profi sieht die Sache anders. Lohnt es sich, dann wird auch mal auf den HSV gesetzt – Wenn es einen Trainerwechsel gab und die Mannschaft mit dem Rücken zur Wand steht, beispielsweise.

Gegen den Trend wetten kann sich lohnen

Wer sich dazu entscheidet, gegen den Strom zu wetten, sollte sich darüber im Klaren sein, dass die Wahrscheinlichkeit des Scheiterns doch sehr hoch ist. Also sollten nur kleine Beträge gewettet werden und vor allem niemals über dem vorhandenen Budget. Auch sollten solche Entscheidungen niemals aus dem Bauch heraus getroffen werden, sondern immer rational begründet werden können.