Wenn Blatter Infantino kritisiert, ist das wie ein Brandstifter, der über schlechten Brandschutz klagt. Trotzdem: Was er sagt, verdient Aufmerksamkeit – weil er das System von innen kennt wie kaum jemand sonst.
Blatter über Infantino: Kurz vor dem Turnier packt er aus
Joseph Sepp Blatter regierte die FIFA von 1998 bis 2015 – mit harter Hand, mit politischem Geschick und, wie spätere Untersuchungen zeigten, mit einer Bereitschaft zur Korruption, die historisch ist. Er wurde 2015 suspendiert, 2016 gesperrt, 2021 von einem Schweizer Gericht schuldig gesprochen. Ein Mann mit massivem Glaubwürdigkeitsproblem.
Und trotzdem: Kurz vor der WM 2026 ist Blatter wieder präsent. In Interviews mit europäischen Medien äußert er sich kritisch über die Amtsführung von Gianni Infantino – über Ticketpreise, über die Vergabe des Turniers an Nordamerika, über das Verhältnis der FIFA zur Trump-Regierung. Blatters Botschaft: Der aktuelle FIFA-Chef mache es nicht besser als er, nur lauter.
Was Blatter konkret kritisiert
Blatters Hauptkritikpunkte richten sich gegen Infantinos enges Verhältnis zu Donald Trump. Die beiden gelten als politische Verbündete – Trump hat Infantino mehrfach öffentlich gelobt, Infantino revanchierte sich mit Schmeicheleien. Blatter sieht darin eine gefährliche Abhängigkeit der FIFA von einem einzelnen politischen Akteur.
Dazu kommt die Ticketpreisdebatte: Blatter soll intern gewarnt haben, dass die astronomischen Preise dem Image des Fußballs als Volksport dauerhaft schaden. Und die Entscheidung, die WM auf 48 Teams auszuweiten, hält er für eine kommerzielle Entscheidung, die dem sportlichen Niveau schadet.
Die Ironie der Geschichte
Dass ausgerechnet Blatter als Mahner auftritt, ist historisch pikant. Unter seiner Präsidentschaft wurde die WM 2022 an Katar vergeben – ein Prozess, der von Korruptionsvorwürfen begleitet wurde. Unter seiner Ägide flossen Millionen in undurchsichtige Kanäle. Nun sitzt er in der Rolle des moralischen Kommentators.
Und doch: Blatters Kritik trifft einen Nerv. Die FIFA unter Infantino ist tatsächlich tiefer in politische Allianzen verstrickt als je zuvor. Die Nähe zu autoritären Gastgebern – von Katar bis Saudi-Arabien – ist dokumentiert. Und die WM 2026 unter Trump ist das bisher sichtbarste Beispiel dafür.
Was bleibt
Blatters Interviews werden in den WM-Wochen weiter für Gesprächsstoff sorgen. Als sportlich relevanter Faktor sind sie zu vernachlässigen. Als Symptom einer FIFA, die sich selbst immer wieder neu erfindet ohne ihre alten Probleme zu lösen, sind sie hochaktuell.