Der Zieher an Fathy war kein Elfmeter, auch wenn sich darüber diskutieren lässt. Aber wer eine 2:0-Führung in einer Viertelstunde hergibt, sollte erst in die eigene Kabine schauen, bevor er die große FIFA-Verschwörung ausruft.

Aberkanntes Tor, verwehrter Elfmeter: Die Szenen, um die es geht
Zwei Szenen aus Atlanta beschäftigen jetzt die FIFA. Erstens: Der Treffer von Mostafa Ziko in der 58. Minute, der das 2:0 bedeutet hätte, wurde nach VAR-Check zurückgenommen. Ex-Bundesliga-Schiedsrichter Patrick Ittrich hielt diese Entscheidung für regelkonform. Zweitens – und hier wird es heikel: Unmittelbar vor dem Siegtor von Enzo Fernández (90.+2) zog Alexis Mac Allister den Ägypter Hamdy Fathy im Strafraum am Trikot. Kein Pfiff, kein VAR-Check. Ittrich war bei MagentaTV deutlich: Für ihn ein klarer Strafstoß. Auch Ex-Referee Manuel Gräfe stellte beide Entscheidungen öffentlich infrage.
Ziko hatte das reguläre 2:0 in der 67. Minute nachgelegt, nachdem Yasser Ibrahim (15.) früh getroffen hatte. Dann drehten Cristian Romero (79.), Lionel Messi (83.) und Fernández das Spiel. Fünfzehn Minuten, drei Gegentore. Das ist die andere Wahrheit dieses Abends.
Hassans Verschwörungsthese – und ihre Lücke
Hassan legte nach dem Abpfiff los, als gäbe es kein Morgen. “Vielleicht wollte man den Weltmeister im Wettbewerb behalten”, sagte er, es gehe der FIFA nur ums Geld, man wolle Messi im Turnier halten. Ein manipuliertes Spiel, die ganze Welt habe es gesehen. Verbandspräsident Hany Abo Rida machte daraus einen formellen Protest: Untersuchung des Schiedsrichtergespanns, Ausschluss Letexiers vom restlichen Turnier, der Vorwurf lautet auf “doppelte Maßstäbe”.
Nur: Wer Messi per Drehbuch schützen will, lässt ihn vermutlich nicht in der 21. Minute einen Elfmeter verschießen – bereits seinen zweiten Fehlschuss vom Punkt in diesem Turnier. Berechtigte Einzelkritik und Komplott-These sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Hassan mischte munter weiter: “Wer ein Spiel für 12:00 Uhr ansetzt, hat nie selbst Fußball gespielt”, schimpfte er über die Mittagsansetzung. Beim Punkt Anstoßzeiten dürften ihm allerdings viele Trainer dieser WM recht geben.
Spuckattacke und Boykott: Die Eskalation nach Abpfiff
Nach dem Schlusspfiff kippte die Stimmung endgültig. Als argentinische Fans nahe des Spielertunnels eine Israel-Flagge zeigten, rastete Hassan aus – Videos in den sozialen Medien zeigen, wie er die Anhänger anbrüllt und ausspuckt. Der Trainer, der den Sieg gegen Australien noch mit einer Palästina-Flagge auf dem Rasen gefeiert hatte, empfand die Aktion offenkundig als gezielte Provokation. Sein Schlusswort: Er werde kein einziges Spiel dieser WM mehr anschauen. Sein persönlicher Protest. Argentinien spielt derweil einfach weiter – im Viertelfinale, mit Messi.