Deutschland ist Gruppensieger – auf dem Papier. Auf dem Platz hat Nagelsmann zuletzt mehr Fragen produziert als Antworten. Paraguay wird das wissen.
Nagelsmann-DFB: Starker Auftakt, schwaches Ende – und jetzt?
Zwei Siege, eine Niederlage. Klingt solide. Ist es aber nicht ganz. Denn das 1:2 gegen Ecuador war kein Betriebsunfall – es war symptomatisch. Die DFB-Nationalmannschaft unter Julian Nagelsmann hat eine unangenehme Eigenschaft: Sie spielt gut, bis sie es nicht mehr tut. Gegen Curaçao war das egal. Gegen die Elfenbeinküste auch. Aber jetzt ist K.-o.-Runde, jetzt zählt jeder Fehler doppelt, und Paraguay ist kein Gegner, der Fehler verschenkt.
Die Südamerikaner kamen als einer der acht besten Gruppendritten weiter – das klingt nach Hintertür, ist es aber nicht. Trainer Gustavo Alfaro hat aus einem Scherbenhaufen (Pleite zum Auftakt gegen die USA, 1:4) eine Einheit geformt, die seitdem kein Gegentor mehr kassierte. In 18 Qualifikationsspielen ließ Paraguay nur zehn Gegentore zu. Das ist kein Zufall. Das ist System.
Und Nagelsmann? Der Bundestrainer hält an seiner Linie fest. Wirtz, Musiala, Havertz, Sané – die Offensive liest sich wie ein Versprechen. Eingelöst hat sie dieses Versprechen gegen Ecuador nicht. Stattdessen: Ballverluste, Unkonzentriertheiten, ein 1:2, das den Tabellenplatz zwar nicht gefährdete, aber das Vertrauen schon.
Boston wartet – und die Favoritenrolle drückt
Sepp Maier hat es schon gesagt: Die Niederlage gegen Ecuador war „erschreckend schwach”, Manuel Neuer hätte früher kommen müssen beim entscheidenden Gegentreffer. Nagelsmann hat daraus Konsequenzen zu ziehen – ob er das tut, wird man um 22:30 Uhr im Boston Stadium sehen.
Gleichzeitig läuft in Houston das Spiel, das alle nervös macht. Brasilien gegen Japan. Vinícius Júnior gegen die Blue Samurai. Wer denkt, das sei ein Selbstläufer für die Selecão, hat 2022 vergessen – als Japan in der Gruppenphase Deutschland und Spanien besiegte und die Fußballwelt blamierte. Trainer Hajime Moriyasu hat genau diese Mannschaft weiterentwickelt: taktisch diszipliniert, schnell im Umschalten, und mit Spielern wie Daichi Kamada und Ritsu Doan aus der Bundesliga bestens mit europäischem Fußball vertraut.
Und in Monterrey? Die Niederlande gegen Marokko. Das ist kein Schaulaufen. Marokko war in Katar 2022 im Halbfinale. Dieses Team vergisst so etwas nicht.
Drei Partien. Drei Mal könnte der Abend schiefgehen. Für Deutschland wäre ein Aus gegen Paraguay mehr als eine Blamage – es wäre das Ende eines Projekts, das Nagelsmann mit dem EURO-Halbfinale 2024 begann und mit dieser WM krönen will. Die Quoten sprechen für die DFB-Elf, klar. Aber gegen Ecuador sprachen sie das auch.