Japan kommt nicht nach Houston, um zu überleben. Die Blue Samurai kommen, um Brasilien zu schlagen – und sie haben bewiesen, dass sie es können. Wer das als Außenseiterchance abtut, hat die Gruppenphase nicht gesehen.

Beste Wettanbieter für WM Wetten
Moriyasus Japan: Kein Underdog, den man unterschätzen darf
Die Quoten sprechen eine klare Sprache: Brasilien bei rund 1,70, Japan bei 5,80. Wer nur auf die Zahlen schaut, sieht einen Mismatch. Wer die letzten Monate verfolgt hat, sieht etwas anderes.
Oktober 2025. Brasilien führt 2:0. Das Spiel scheint gelaufen. Japan dreht es auf 3:2. Dieses Testspiel war kein Zufall und kein glücklicher Abend – es war die Blaupause für das, was Hajime Moriyasus Team heute wieder versuchen wird. Schnelles Umschalten, maximale Disziplin im Block, und wenn die Lücke kommt: Daichi Kamada oder Ayase Ueda. Beide haben in der Vorrunde je zweimal getroffen. Beide wissen genau, wie man ballbesitzorientierte Teams in der Umschaltsituation trifft.
Die Vorrunde war beeindruckend. Ungeschlagen aus einer Gruppe mit den Niederlanden und Schweden – das schafft man nicht mit Glück. Das schafft man mit einem System, das funktioniert. Trainer Moriyasu weiß das. Er ließ sich auch nicht nehmen, öffentlich bei Brasilien dafür zu entschuldigen, dass er Argentinien für die Nummer eins der Welt hält. Provokation mit Augenzwinkern. Aber der Punkt dahinter ist ernst gemeint: Diese Mannschaft hat Selbstvertrauen.
Brasiliens Klasse gegen Japans System – und die echte Gefahr für die Seleção
Trotzdem. Brasilien ist Brasilien. Carlo Ancelotti hat die Seleção durch die Gruppenphase geführt wie ein Team, das sich seiner Sache sicher ist: sieben Punkte, nur ein Gegentor. Vinícius Júnior traf viermal, Matheus Cunha dreimal. Raphinha fehlt verletzt – das ist ein echter Verlust. Aber Rayan, 19 Jahre alt, übernimmt auf dem rechten Flügel und will genau hier zeigen, warum man ihm das Vertrauen gibt.
Das Duell ist klar: individuelle Weltklasse gegen kollektive Disziplin. Vinícius Júnior gegen Japans rechten Flügel – eine Konstellation, die Ancelotti ganz bewusst suchen wird. Und er hat recht, sie zu suchen. Der Brasilianer ist schlicht der gefährlichste Spieler auf dem Feld.
Aber hier liegt auch das Risiko. Japan ist maximal unangenehm für Teams, die Ballbesitz als Kontrollmittel einsetzen. Die Statistik des Direktvergleichs – elf Siege für Brasilien aus 14 Spielen, 37:8 Tore insgesamt – klingt beruhigend. Bis man sich erinnert, dass das einzige japanische Erfolgserlebnis der jüngste Vergleich war. Und der neun Monate her ist.
Der WM-Modus der 48-Team-Version bestraft Japan doppelt: Als Gruppenzweiter trifft es direkt auf den Rekordweltmeister, während Teams mit weniger Punkten leichtere Lose zogen. Das ist ungerecht. Aber es ist auch ihre Chance. Wer mit Brasilien als Gegnerin in die K.o.-Runde startet und trotzdem kommt, hat nichts zu verlieren.
Heute Abend im NRG Stadium in Houston werden 72.000 Zuschauer sehen, ob Japans Captain-Tsubasa-Traum weiterlebt – oder ob Brasiliens Klasse am Ende doch zu groß ist.