Ein Sieg mit dem dünnsten Kader der Liga kaschiert das Problem, er löst es nicht. Hertha hat noch drei Wochen, um Leitl die Mannschaft zu geben, die er verlangt.

1:0 in Bochum – und der erste Auftaktsieg seit sechs Jahren
Sebastian Grønning traf in der 39. Minute, danach verteidigten die Berliner. Bochum erhöhte nach der Pause den Druck, erspielte sich Gelegenheiten und ließ sie liegen. Am Ende stand ein 1:0 im Ruhrstadion – Herthas erster Sieg zum Saisonauftakt seit sechs Jahren.
Der Kontext macht das Ergebnis größer, als es die Statistik hergibt. Dreizehn Spieler haben den Klub im Sommer verlassen, darunter Fabian Reese, Eigengewächs Kennet Eichhorn, Michael Cuisance und Torhüter Tjark Ernst. Dem stand vor dem ersten Spieltag ein einziger Neuzugang gegenüber, und der kam auf Leihbasis. In Bochum feierte er sein Debüt.
Stefan Leitl hat daraus vor dem Anpfiff keinen Hehl gemacht. „Wir haben die sportlichen Rahmenbedingungen geschaffen und jetzt liegt es an den Verantwortlichen, Spieler zu verpflichten”, sagte der Trainer. Das ist keine Bitte. Das ist eine Rechnung, die er öffentlich aufgemacht hat.
Bis zum 1. September muss der Sportdirektor liefern
Klubchef Görlich formuliert das Saisonziel als einstelligen Tabellenplatz mit Ambition nach oben. In der Vorsaison wurde es Rang sieben – ordentlich, aber eben nie ein Aufstiegsangriff. Wer diesmal weiter kommen will, braucht mehr als elf Spieler, die durchhalten.
Genau hier wird es eng. Am 1. September schließt das Transferfenster. Sportdirektor Benjamin Weber hat also gut drei Wochen, um aus einem ausgedünnten Kader eine Zweitliga-Mannschaft mit Tiefe zu machen. Ex-Profi Maik Franz sagte gegenüber SPORT1 sinngemäß, Weber müsse jetzt liefern. Deutlicher lässt sich Erwartungsdruck kaum formulieren.
Und der Spielplan hilft nicht. Vier der ersten sechs Partien bestreitet Hertha auswärts – ein Detail, auf das Sky-Experte Torsten Mattuschka vor dem Start hingewiesen hat. Wer da mit fünfzehn einsatzfähigen Profis durch die englischen Wochen will, braucht Glück bei den Verletzungen.
Am Samstag um 13:00 Uhr kommt der 1. FC Heidenheim ins Olympiastadion. Es wäre die Gelegenheit, aus einem überraschenden Auftaktsieg eine Serie zu machen – und dem Sportdirektor Argumente zu liefern, die auf dem Transfermarkt zählen.