Über eine ganze Turnierwoche im Schnitt 111 zu werfen, hat vor Littler niemand geschafft, auch Taylor nicht. Wer da noch über Gesten und Gestik diskutiert, schaut in die falsche Richtung. Die Zahlen sind das eigentliche Aufregerthema.

111,04: Ein Rekord, der 16 Jahre gehalten hatte
Im Finale gegen Gerwyn Price warf Littler 111,53 im Schnitt und gewann 18:9. Über das gesamte Turnier stand am Ende ein Average von 111,04 – Phil Taylors Bestmarke von 106,31 aus dem Jahr 2010 ist damit Geschichte.
Dazu kamen 66 Maximums in einer Woche, zwölf davon allein im Endspiel. Auch das eine eigene Bestmarke. Im Halbfinale gegen Dirk van Duijvenbode kam Littler in 22 Legs auf gerade einmal neun Aufnahmen ohne Treble, traf die Hälfte seiner Doppel und führte zwischenzeitlich mit einem Average von 117.
Erst der dritte Spieler überhaupt verteidigte den Titel in Blackpool: nach Taylor und Michael van Gerwen, der es zuletzt 2016 schaffte. Nebenbei knackte Littler als erster Profi der PDC-Geschichte die Marke von drei Millionen Pfund Preisgeld. Der Abstand zu Luke Humphries auf Rang zwei beträgt rund zwei Millionen.
Warum die Szene trotzdem streitet
Van Gerwen war bei diesem Rekordlauf kein Gegner. Der Niederländer scheiterte an van Duijvenbode, ein direktes Duell mit Littler gab es in Blackpool nicht.
Die Reibung entsteht woanders. Bei der WM im Januar drehte sich ein Teil der Halle gegen den Titelverteidiger – die Fans wollten den Außenseiter siegen sehen, wie Littler selbst einordnete. Im April sorgte ein Disput mit Gian van Veen für Wirbel, zu dem sich van Gerwen bewusst nicht äußern wollte. Und je klarer Littler gewinnt, desto lauter wird die Frage, ob Dominanz einem Sport guttut, der von offenen Turnieren lebt.
Littler selbst formuliert es unverblümt: Er wolle dominant bleiben, weiter gewinnen, oben stehen. In diesem Jahr hält er bereits WM-Titel, UK Open, Premier League und Masters. Beim Grand Prix, Grand Slam und den Players Championship Finals ist er Titelverteidiger.
Wer ihn stoppen will, braucht mehr als eine Diskussion über Körpersprache.