Nagelsmann stellt Neuer am Donnerstag als Nummer 1 vor – am Freitag versagt die Wade. Besser hätte man Baumans Degradierung nicht kommentieren können. Drei Wochen bis Houston, eine vorbelastete Wade, und der Bundestrainer hat sein politisches Kapital bereits ausgegeben. Baumann sitzt herum und schaut zu.
Nagelsmann setzt auf Neuer – und Neuer petzt sofort
Am Donnerstag war es noch ein großer Moment. Julian Nagelsmann stellte bei der offiziellen WM-Kaderbekanntgabe klar: Manuel Neuer ist die Nummer 1 für die Weltmeisterschaft in Nordamerika. Nicht Oliver Baumann, der die gesamte Qualifikation im Tor stand. Neuer. Wegen seiner „Aura”. Wegen seiner Klasse.
Einen Tag später steht Neuer nicht im Berliner Olympiastadion. Belastungstest am Freitagmorgen an der Säbener Straße – negativ. Die linke Wade macht nicht mit.
Es ist dieselbe Wade, die Neuer in der Rückrunde bereits zweimal einen Muskelfaserriss beschert hat. Dieselbe Wade, wegen der er beim letzten Bundesliga-Spieltag gegen Köln vorzeitig raus musste. Und dasselbe Bein, das er sich beim Ski-Unfall Ende 2022 schwer verletzt hatte. Zufälle häufen sich nicht – sie bilden Muster.
Drei Wochen bis Houston – der Zeitplan ist eng
Bayern-Sportvorstand Max Eberl gibt Entwarnung. Vorsichtsmaßnahme, keine Gefahr für die WM. Klingt beruhigend. Ist es vielleicht auch. Aber der DFB startet bereits am 27. Mai in die WM-Vorbereitung, und am 14. Juni wartet in Houston Curaçao zum Auftakt. Drei Wochen, um eine chronisch vorbelastete Wade aufzubauen, zu testen und für ein Turnier fit zu bekommen.
Die Testspiele gegen Finnland (31. Mai) und die USA (5. Juni) werden zur Pflichtprüfung. Nicht taktisch – medizinisch. Besteht Neuer sie nicht, stehen mit Baumann, Alexander Nübel und Jonas Urbig – der heute in Berlin für Bayern ins Tor geht und ebenfalls überraschend ins WM-Aufgebot berufen wurde – drei Alternativen bereit.
Nagelsmann hat sein Vertrauen öffentlich und laut in Neuer investiert. Das war mutig. Jetzt braucht er schlicht Glück.