Nagelsmann hat El Mala gestrichen und sich dabei mit Daten rausgeredet. Aber eine Heatmap ist maximal auf einem neumodischen Induktionsfeld wichtig – nicht bei der WM-Nominierung eines 19-Jährigen, der in der Rückrunde geliefert hat wie kaum ein anderer.
Eine Heatmap entscheidet über das WM-Ticket – wirklich jetzt?
Als Julian Nagelsmann den DFB-Kader für die WM 2026 verkündete, hielt sich die Überraschung zunächst in Grenzen. Manuel Neuers Rückkehr nach zwei Jahren war längst kein Geheimnis mehr. Doch dann kam der Name, der fehlte: Said El Mala. Kein Ticket. Kein Kader. Kein Erklärung, die trägt.
Der Bundestrainer versuchte es trotzdem. El Mala sei ein großes Talent, ja. Aber beim FC Köln habe er in idealen Umschaltmomenten gespielt. Und seine Positionsdaten – sprich: seine Heatmap – zeigten zu große Nähe zum eigenen Strafraum. Für das Nationalteam brauche er andere Spielertypen.
Eine Heatmap. Als WM-Absagegrund. Für einen 19-Jährigen, der die Bundesliga in der Rückrunde auseinandergenommen hat.
Hier zum Vergleich die Saison Statistiken von El Mala und Sané:
Heat Map El Mala
Heat Map Sané
Die Zahlen erzählen eine andere Geschichte
Nagelsmann hatte El Mala im März noch öffentlich mehr Konstanz und Defensivarbeit abverlangt. Der Kölner hat geliefert. Elf Startelfeinsätze im letzten Saisondrittel. Sechs Tore, zwei Vorlagen. Direkte Torbeteiligung bei 37 Prozent aller Kölner Saisontreffer. Bundesligaweit Platz zwölf bei den Toren pro 90 Minuten. Das sind keine Heatmap-Werte. Das sind Argumente.
Stattdessen fährt Leroy Sané zur WM 2026. Der Mann steht bei Galatasaray unter Vertrag, hat auf Vereinsebene eine Saison abgeliefert, die Nagelsmann selbst als unzureichend eingestuft hat. Die Rechtfertigung? Ein paar solide Länderspiele gegen Zypern und Nordirland. Und: Man kenne sich schon lange, er werde ihn im Turnier schon “kitzeln”.
Menschlich verständlich. Sportlich schwer zu verteidigen.
Leistungsprinzip? Nur solange es passt
Der DFB predigt seit Jahren Leistungskultur. Wer liefert, spielt. Wer nicht liefert, fliegt. El Mala hat geliefert – und fliegt trotzdem. Sané hat nicht geliefert – und darf trotzdem fahren. Das ist kein Prinzip. Das ist Ermessensspielraum mit freundlichem Gesicht.
Spieler wie El Mala oder der ebenfalls gestrichene Chris Führich besitzen schlicht nicht die Lobby, die man über Jahre in einer Nationalmannschaftskabine aufbaut. Das ist die Realität. Nur sollte man dann nicht so tun, als hätte eine Positionsgrafik die Entscheidung getroffen.
Wenn Deutschland bei der WM 2026 in den K.o.-Spielen Tiefe, Tempo und jugendliche Unberechenbarkeit braucht – und das wird sie brauchen – dann wird Nagelsmann diese Heatmap-Diskussion schneller wiedersehen, als ihm lieb ist.