39 Jahre alt und trotzdem der gefährlichste Mann auf dem Platz – mehr muss man über dieses Halbfinale nicht wissen. Wer Messi bewachen will, jagt einen Schatten. Und selbst der schnellste Engländer kommt zu spät, wenn La Pulga einmal Platz wittert.

Nicht den Mann jagen – den Raum zumachen
Wer Messi einem einzelnen Bewacher überlässt, hat schon verloren. Der Argentinier sucht nicht den Zweikampf, er sucht die Lücke – den scheinbar unbesetzten Raum zwischen Englands Mittelfeld und Abwehr. Dort wird er gefährlich. Tuchels Antwort kann nur kollektiv sein: Zonenverteidigung im Halbraum, ständige Übergabe im Zentrum, kein Loch, in dem sich La Pulga den Ball in Ruhe zurechtlegt. Dreht er einmal auf, ist es meist zu spät.
Kurios: Dieses Duell hätte es schon 2005 geben sollen. Damals hielt ausgerechnet eine Rote Karte auf Messis Länderspiel-Debüt ihn vom Freundschaftsspiel gegen England ab. 21 Jahre später ist er endlich da.
Dazu kommt ein Tempo, das kaum zu seinem Ausweis passt. 30,9 km/h Spitze bei diesem Turnier – mit 39 Jahren. Steht Englands Kette zu hoch, startet Messi in den Rücken der Abwehr, und Julián Álvarez oder Lautaro Martínez sind zur Stelle. Beim 3:1 gegen die Schweiz legte er das frühe 1:0 auf, ohne selbst zu treffen. Er muss nicht abschließen, um ein Spiel zu drehen. Nebenbei: Kein Spieler hat je mehr WM-Tore erzielt als Messi – 21 sind es inzwischen.
Tuchels Dreipunkteplan: eng, schnell, foulfrei
Der zweite Baustein heißt Physis. Ein Verteidiger wie Nico O’Reilly, Top-Speed 35,6 km/h, muss Messi eng markieren und früh stören – schon bei der Ballannahme, bevor der überhaupt Fahrt aufnimmt. Wer ihm erst Dynamik zugesteht, läuft danach nur noch hinterher. Und selbst wenn das gelingt, bleibt seine Torgefahr aus dem Stand.
Acht Treffer, das Turnier angeführt – Messi bestraft jeden Standard. Fouls zwischen 20 und 25 Metern? Für England praktisch verboten. Ein unnötiger Freistoß, und der Weltmeister zieht ab. Das klingt nach einer langen Mängelliste, die die Three Lions abarbeiten müssen. Ist es auch. Genau darin liegt aber Englands Chance: Messi stoppt man nicht mit Genie, sondern mit Disziplin. 90 Minuten lang, ohne die eine Sekunde Nachlässigkeit. Leistet England sie sich, steht Argentinien im Finale.