Infantino hat jahrelang alles abperlen lassen. Jetzt steht plötzlich das IOC vor der Tür und der DFB verweigert die Unterschrift. Wer sich einen Präsidenten ans Telefon holt, darf sich über die Rechnung nicht wundern.

FairSquare bringt den Fall Balogun vors IOC
Der Vorwurf wiegt schwer. FairSquare wirft Infantino vor, als IOC-Mitglied seit 2020 gleich mehrfach gegen die Neutralitätsregeln verstoßen zu haben. Fünf Punkte listet die Beschwerde auf. Im Zentrum: der Fall Folarin Balogun.
Kurze Erinnerung. Balogun sah im WM-Sechzehntelfinale gegen Bosnien-Herzegowina Rot. Automatische Sperre, eigentlich nicht anfechtbar. Dann klingelte bei Infantino das Telefon – Donald Trump war dran. Wenig später durfte Balogun im Achtelfinale gegen Belgien wieder ran. Die USA verloren trotzdem 1:4 und flogen raus.
Infantino beteuert, weder er noch Trump hätten die Disziplinarkommission beeinflusst. Deren Unabhängigkeit sei essenziell, ließ er mitteilen. Nur: Trump prahlte öffentlich damit, den Fall angeschoben zu haben. Wem soll man da glauben?
Der DFB verweigert Infantino die Unterschrift
Jetzt bekommt Infantino die Rechnung – aus Deutschland. Der DFB hat das Unterstützerschreiben für Infantinos Wiederwahl beim FIFA-Kongress am 18. März 2027 in Rabat nicht unterzeichnet. DFB-Präsident Bernd Neuendorf wurde deutlich: Der Vorgang dürfe „nicht zu den Akten gelegt werden”. Zuvor hatte schon die UEFA von einer überschrittenen „roten Linie” gesprochen – so scharf wie selten.
Rettet ihn das? Wohl kaum. Südamerika, Afrika und Asien stehen längst hinter ihm, die Mehrheit gilt als sicher. Europa kann meckern, entscheidet aber nicht.
Und dann wäre da noch die Kamera-Frage. Bei WM-Spielen taucht Infantinos Gesicht auffällig oft im Bild auf. Eine vertragliche Vorgabe an die TV-Produktion? Die FIFA bestreitet das entschieden. Man ahnt trotzdem, wer hier gern gesehen werden will.
IOC-Präsidentin Kirsty Coventry und die Ethikkommission wollen die Beschwerde prüfen, sobald sie formell vorliegt. Ein Ergebnis? Völlig offen. Aber der Druck auf Infantino wächst – und zum ersten Mal kommt er aus dem eigenen Betrieb.