Ein Trainer wechselt vom PIF-Klub in Dschidda zum PIF-Klub in Newcastle, und alle nennen es einen Zufall. Jaissle hat in Salzburg und in Saudi-Arabien geliefert, das steht außer Frage. Nur beginnt die Premier League in zwei Wochen, und sein neuer Kader verliert gerade seine besten Spieler.

Ein 1:4 in Bristol – und am nächsten Morgen ist er weg
Mittwochabend, Testspiel bei Zweitligist Bristol City, 1:4. Danach trat Howe vor die Reporter und ließ sich nichts anmerken. Jeder Tag als Newcastle-Trainer sei für ihn ein großer Tag, sagte er, er liebe diesen Klub, daran werde sich nie etwas ändern. Am selben Tag hatten die Buchmacher die Quoten drastisch verkürzt, dass er als erster Trainer der Saison seinen Job verliert. Am Donnerstagmorgen war er es dann nicht durch eine Entlassung, sondern nach Berichten aus eigenem Antrieb.
Sources zufolge teilte der 48-Jährige den saudischen Eigentümern mit, er wolle eine Pause vom Fußball. David Ornstein und Fabrizio Romano melden den Abgang ebenfalls, eine Klub-Bestätigung stand zunächst aus. Der Zeitpunkt überrascht, der Druck nicht: Newcastle beendete die vergangene Saison auf Platz zwölf, flog aus beiden Pokalwettbewerben und verabschiedete sich aus der Champions League nach einem 2:8 im Gesamtergebnis gegen Barcelona.
Dass Howe im April überhaupt noch eine weitere Saison bekam, verdankte er einem Treffen in einem Landhotel in Northumberland. Danach folgte ein Sommer, der jeden Trainer mürbe macht: Anthony Gordon ging nach Barcelona, Sandro Tonali zu Tottenham, und Kapitän Bruno Guimarães wird seit Wochen mit Arsenal in Verbindung gebracht.
Jaissle kommt vom Schwesterklub
Sein Vermächtnis bleibt trotzdem groß. Howe kam im November 2021, als Newcastle im Abstiegskampf steckte. Er machte daraus einen Champions-League-Teilnehmer und holte 2025 mit dem Ligapokal den ersten Titel seit 56 Jahren. Wer das leistet und dann nach einem Testspiel gegen einen Zweitligisten geht, erzählt etwas über die Nervosität in diesem Klub.
Der Nachfolger ist ein Red-Bull-Gewächs. Jaissle spielte den Großteil seiner Karriere in Deutschland, unter anderem für Hoffenheim, begann 2017 als Assistent bei Brøndby, coachte danach die U18 von RB Salzburg und übernahm dort im Juli 2021 den Posten von Jesse Marsch. Bei Al-Ahli, ebenfalls im Besitz des saudischen Staatsfonds PIF, folgten laut Berichten zwei Titel in Serie.
Genau darin liegt die Pikanterie. Newcastle gehört mehrheitlich demselben Fonds. Ein Trainerwechsel innerhalb der Familie also, ohne Ablösestreit, ohne Freigabepoker. Sportlich mag Jaissle die richtige Wahl sein. Sauber wirkt der Vorgang trotzdem nicht.