Ein Verband, der nach einem 1:4 im Achtelfinale den Trainer verlängert, hat entweder sehr viel Geduld oder einen sehr klaren Plan. Bei US Soccer ist es diesmal erkennbar der Plan.

Drei Siege, ein Rekord – und trotzdem früh raus
Die sportliche Bilanz dieser Heim-WM ist zweigeteilt. Auf der einen Seite drei Siege – so viele hat noch keine US-Mannschaft bei einer Weltmeisterschaft geholt. Auf der anderen ein Achtelfinale, in dem Belgien von der ersten Minute an das Spiel bestimmte und die Gastgeber sich mit eigenen Fehlern selbst zerlegten.
| Runde | Gegner | Ergebnis |
|---|---|---|
| Gruppe D | Paraguay | 4:1 |
| Gruppe D | Australien | 2:0 |
| Gruppe D | Türkei | 2:3 |
| Sechzehntelfinale | Bosnien-Herzegowina | 2:0 |
| Achtelfinale | Belgien | 1:4 |
Die Niederlage gegen die Türkei fiel nicht ins Gewicht, da der Gruppensieg bereits feststand. Gegen Belgien traf Charles De Ketelaere früh, Malik Tillman glich per Freistoß aus, danach übernahmen die Belgier komplett. Lukaku setzte in der Schlussphase den Schlusspunkt.
Trotzdem hält der Verband an seinem Trainer fest. Verbandschefin Cindy Parlow Cone verwies auf die Kultur, die Pochettino aufgebaut habe – Spieler, die der Gruppe und dem Prozess vertrauen. CEO JT Batson sprach von einem neuen Projekt, das auf dem Fortschritt der Nationalmannschaft aufbaue.
Pochettino bekommt deutlich mehr Verantwortung
Der ursprüngliche Kontrakt lief nur bis zur WM. Berichten zufolge hatte US Soccer bereits vor dem Turnier eine Verlängerung angeboten, Pochettino wartete mit der Unterschrift jedoch bis danach. Sein Trainerstab bleibt komplett zusammen: Jesus Perez, Miguel D’Agostino und Toni Jiménez sind seit Jahren an seiner Seite, dazu kommen Sebastian Pochettino und Silvia Tuyà.
Neu ist der Zuschnitt der Aufgabe. Pochettino soll künftig auch die Nachwuchsprogramme des Verbands beraten und über die A-Nationalmannschaft hinaus wirken. Der Terminplan bis 2030 ist entsprechend dicht:
- 2027: Concacaf Nations League und Gold Cup
- 2028: Olympische Spiele im eigenen Land
- 2029: erneut Nations League und Gold Cup, danach beginnt die WM-Qualifikation
- Dazwischen: U17- und U20-Weltmeisterschaften, bei denen der Stab beratend eingebunden wird
Für Pochettino ist das die erste komplette Länderspielperiode überhaupt. Er übernahm im September 2024 als Nachfolger von Gregg Berhalter, nachdem die USA bei der Copa América im eigenen Land in der Vorrunde gescheitert waren – und hatte danach knapp zwei Jahre, um eine Mannschaft für ein Heimturnier zu bauen. Jetzt bekommt er vier.
Die entscheidende Frage stellt sich erst später. 2030 findet die WM in Marokko, Spanien und Portugal statt, mit Eröffnungsspielen in Südamerika. Ohne Heimvorteil, ohne automatische Qualifikation. Dann wird man sehen, wie viel von der Euphorie dieses Sommers tatsächlich Substanz war.