Vier Gegentore in 25 Minuten, alle durch Einwechselspieler. Im August verzeiht man so etwas. Im Dezember wird Iraola an genau diesen Szenen gemessen.

Wirtz und Isak erstmals von Beginn an
Iraola schickte Wirtz und Alexander Isak erstmals in dieser Vorbereitung gemeinsam von Beginn an aufs Feld. Beide kehrten spät aus der WM-Pause zurück, beide sollen im neuen System die Offensive tragen. Vor über 40.000 Zuschauern in Chicago, mehrheitlich in Rot, funktionierte das eine Halbzeit lang ordentlich.
Nach sieben Minuten stand es schon 1:0. Ein Eckball von Kerkez segelte durch den Strafraum, der Ball fiel Luke Chambers vor die Füße, aus kurzer Distanz war das eine Formsache. Kurz vor der Pause legte Liverpool nach. Trey Nyoni chippte den Ball an den rechten Strafraumrand, Jeremie Frimpong hakte ihn per Volley zurück in die Mitte – und Wirtz musste im Fünfmeterraum nur noch einschieben. Die Klasse steckte in Frimpongs Flanke. Das Tor gehört trotzdem dem Deutschen.
| Minute | Tor | Stand |
|---|---|---|
| 7. | Chambers (Vorlage Kerkez) | 1:0 |
| 40. | Wirtz (Vorlage Frimpong) | 2:0 |
| 60. | Aaronson | 2:1 |
| 72. | Calvert-Lewin | 2:2 |
| 73. | Longstaff | 2:3 |
| 85. | Calvert-Lewin | 2:4 |
Farkes Joker drehen das Spiel
Der Bruch kam mit dem Wiederanpfiff. Daniel Farke wechselte zur Pause gleich vierfach – Wilson, Longstaff, Calvert-Lewin und Aaronson kamen –, und jedes einzelne Leeds-Tor fiel danach durch einen Einwechselspieler. Aaronson traf in der 60. Minute, nachdem Kerkez in der eigenen Hälfte den Ball verloren hatte und Ampadu ihn in den freien Raum bediente. Zwölf Minuten später der Ausgleich, eine Minute darauf die Führung. In der 85. dann der Schlusspunkt.
Iraola hatte zur Pause selbst vierfach gewechselt, unter anderem gingen Wirtz und Isak raus. Das erklärt einiges. Es erklärt aber nicht alles.
Woran es hakt, ließ sich in Chicago gut beobachten:
- Innenverteidigung: Ndukwe und Chambers bildeten ein Notduo. Konaté ist ablösefrei weg, Neuzugang Jacquet fehlte erneut verletzt.
- Standards: Bei langen Einwürfen wirkte Liverpool durchgehend unsortiert.
- Rhythmus: Ein wegen Unwettern gestrichener Flug von Chicago nach New York hatte die Tourwoche bereits zerhackt.
Drei Wochen bleiben bis zum Premier-League-Start. Am 9. August kommt Monaco nach Anfield, danach Como, ehe es am Wochenende des 22. und 23. August ernst wird. Für Iraola, der Bournemouth zuletzt auf Rang sechs und damit erstmals nach Europa führte, ist das früh genug, um zu reagieren. Ein Testspiel im August entscheidet nichts.
Nur: Zwei Tore Führung wegzuwerfen, gegen ein Team, das komplett umgebaut aus der Kabine kam – das merkt sich ein Trainer. Und die Zuschauer im Soldier Field auch.