Vier Wochen Steuerdebatte für einen Torwart, der 34 ist und in zwei Jahren zwölf Pflichtspiele gemacht hat – das sagt alles darüber, wie dringend Barça diesen Vertrag loswerden wollte. Ajax bekommt Klasse für zehn Prozent und trägt kaum Risiko. Sportlich hängt jetzt alles an ter Stegens Oberschenkel.

Steuer-Poker über zwei Grenzen: Warum die Leihe fast vier Wochen feststeckte
Mündlich stand die Sache schon Anfang Juli. Dann passierte: nichts. Gebremst hat den Deal nicht die sportliche Frage, sondern das Finanzamt – in gleich zwei Ländern. Wer trägt die Zusatzabgaben, wenn ein Gehalt zwischen Spanien und den Niederlanden aufgeteilt verbucht wird? Aus Barcelona hieß es, die Lage sei deutlich komplizierter als erwartet.
Absurd wurde es Ende Juli. Hansi Flick nominierte ter Stegen überraschend für das Trainingslager in England – einen Keeper, der längst weg sein sollte. Erst am Donnerstag gab Barça grünes Licht, ter Stegen verließ das Camp, das Testspiel gegen Birmingham City lief ohne ihn. Samstag Medizincheck in Amsterdam, Dienstagmorgen die Verkündung. Eine Odyssee mit Zwischenstopp am Flughafen Birmingham.
Die Zahlen erklären den Streit. Ter Stegen gehört zu den Topverdienern La Ligas, sein Jahressalär wird auf eine zweistellige Millionensumme taxiert. Barcelona zahlt Berichten zufolge rund 90 Prozent davon weiter, Ajax schultert den kleinen Rest. Der Vertrag in Katalonien läuft bis 2028, die Leihe endet im Sommer 2027. Kaufoption? Keine. In einem Jahr geht dasselbe Theater also wieder von vorne los.
Míchel, Cruyff, de Jong – Ajax wirbt mit lauter alten Bekannten
Drei Namen haben diesen Wechsel gedreht. Míchel, seit dieser Saison Ajax-Trainer, hatte ter Stegen im Januar schon nach Girona gelotst und ihn öffentlich zu seinem Wunschkeeper erklärt. Jordi Cruyff, Technischer Direktor in Amsterdam und zwischen 2021 und 2023 in Barcelona tätig, nutzte seinen kurzen Draht in die katalanische Chefetage. Und Frenkie de Jong lieferte die Amsterdam-Beratung per Telefon – ter Stegen nannte ihn bei der Vorstellung grinsend seinen Immobilienmakler.
Die Personalie passt ins Muster. Nach einer Saison 2025/26, die man in Amsterdam am liebsten aus den Annalen streichen würde, kauft Cruyff Erfahrung ein: Julian Brandt kam ablösefrei aus Dortmund, Marcos Leonardo für knapp 20 Millionen Euro, dazu Daley Blind – ebenfalls aus Girona. Ein Rekordmeister, der sich mit Routiniers zurück nach oben arbeiten will. Riskant. Aber wenigstens mutig.
Für ter Stegen geht es um weit mehr als Spielpraxis. Zwölf Pflichtspiele in zwei Jahren, eine schwere Oberschenkelverletzung nach nur 180 Minuten in Girona, die verpasste WM in Nordamerika: Die jüngste Bilanz eines Mannes, der 423 Spiele für Barça bestritten und 2015 die Champions League gewonnen hat, liest sich wie ein Krankenblatt. Unter Flick war er zuletzt ohnehin nur noch Verwaltungsakt.
Bleibt die Frage, die in Amsterdam niemand laut stellt: Was, wenn der Körper wieder nicht mitspielt? Ajax hat sich mit seinem Zehn-Prozent-Anteil ziemlich elegant abgesichert. Klug verhandelt. Und trotzdem ein Wagnis, das sich auszahlen kann – falls ter Stegen mit 34 noch einmal die Form findet, die ihn jahrelang zu einem der besten Torhüter Europas machte.