Infantino verkauft uns Machtpolitik als Entwicklungshilfe. 64 Teams bedeuten nicht mehr Fußball für die Welt – sondern mehr Stimmen für Gianni und mehr Spiele für die Kasse.

WM 2030 mit 64 Teams: Infantinos Rechnung aus Träumen und Stimmen
Infantinos Argumentation klingt erst einmal edel. Die 48er-WM in den USA, Mexiko und Kanada sei ein Riesenerfolg, jedes Team habe auf hohem Niveau gespielt, neun von zehn afrikanischen Mannschaften erreichten die K.-o.-Runde. Die WM müsse für die ganze Welt spielbar sein, nicht nur für die Eliten aus Europa und Südamerika. Wer kleinen Ländern die Chance nehme, nehme ihnen den Anreiz, in den eigenen Fußball zu investieren. Überraschungsteams wie Kap Verde liefern ihm dafür die passenden Bilder.
Klingt nach Entwicklungshilfe. Ist aber auch Machtpolitik. Jede zusätzliche Kleinnation im Turnier ist eine dankbare Stimme im FIFA-Kongress – genau das werfen Kritiker und Fanbündnisse dem Verband seit Jahren vor.
Pikantes Detail: Die Idee stammt nicht einmal von Infantino selbst. Der Vorstoß kam im März 2025 aus Südamerika, vom uruguayischen Verbandschef Ignacio Alonso, und wird seither von CONMEBOL-Präsident Alejandro Domínguez getrommelt. Der Hintergrund ist handfest: Die Jubiläums-WM 2030 steigt in Spanien, Portugal und Marokko, Uruguay, Argentinien und Paraguay bekommen bislang nur je ein Eröffnungsspiel. Mit 64 Teams könnten die Südamerikaner plötzlich komplette Vorrundengruppen beherbergen.
Kritik am XXL-Format: “Vulgär und gewöhnlich”
Sportlich hätte der Plan immerhin eine saubere Logik. 16 Vierergruppen, K.-o.-Runde ab dem Sechzehntelfinale, klassischer Turnierbaum. Das leidige Rechnen um die besten Gruppendritten wäre Geschichte. 128 Spiele insgesamt – ein Fest für TV-Sender und Ticketverkäufer.
Genau da setzt der Widerstand an. UEFA-Präsident Aleksander Čeferin lehnte den Vorschlag öffentlich ab, Ghana-Trainer Carlos Queiroz nannte die Aufblähung “vulgär und gewöhnlich”. Fanbündnisse warnen vor der nächsten Kommerzialisierungsstufe und vor Spielern, die für höhere Einnahmen verheizt werden. Und ehrlich: Eine Qualifikation, bei der 64 von gut 200 Nationen durchkommen, ist keine Qualifikation mehr. Die WM lebt von Knappheit. Infantino verhandelt gerade ihren Wert.