Es gibt eine alte Fußballweisheit: Form ist vorübergehend, Klasse ist permanent. Schön. Aber wenn ein Spieler in der WM-Vorbereitung komplett von der Bildfläche verschwindet, wenn ein Superstar im Testspiel kaum zu sehen ist, wenn ein Trainer sogar die mutige Entscheidung trifft, echte Stars gar nicht erst einzuladen – dann ist das kein Zufall. Das ist ein Zeichen. Und diese Zeichen sollte man lesen.
Die WM-Generalprobe ist wie eine Jobvorstellung, die du nicht absagen kannst. Wer da keine Werbung in eigener Sache macht, den vergisst der Trainer. Manchmal auch zu Recht.
USA: Niederlage gegen Deutschland – kurz vor der Heim-WM
Deutschland gewann 2:1 – souverän, kontrolliert. Die USA wirkten phasenweise überfordert. Ja, Antonee Robinsons Traumtor war spektakulär. Aber die letzte Testspielniederlage gegen Deutschland kurz vor dem eigenen Heimturnier hinterlässt Spuren. Die USA wollen im eigenen Land Geschichte schreiben – aber dafür müssen sie besser werden als das, was sie gegen Deutschland gezeigt haben.
Goretzka: Im Kader, aber nicht eingeplant
Leon Goretzka ist im 26-Mann-Kader – aber im ersten Testspiel gegen Finnland saß er 90 Minuten auf der Bank. Nagelsmann machte keinen Hehl daraus: Ein Stammplatzkandidat sei er “jetzt auch nicht.” Goretzka hat bereits die EM 2024 im eigenen Land verpasst. Jetzt ist er dabei – aber nur auf dem Papier.
Foden und Palmer: Von Tuchel gestrichen
Was Nagelsmann mit Goretzka macht – Kader, aber Bankwärmer – hat Thomas Tuchel in England auf die schärfste mögliche Weise weitergedacht: Phil Foden und Cole Palmer wurden gar nicht erst nominiert. Zwei der talentiertesten englischen Spieler ihrer Generation schauen die WM 2026 vom Sofa aus. Tuchels Begründung klingt rational – aber wenn man bedenkt, was beide in ihrer besten Form leisten können, ist das eine der kontroversesten Trainerentscheidungen vor diesem Turnier.
Neymar: Rückkehr mit Unsicherheit
Nach einer langen Verletzungspause kämpfte sich Neymar zurück – aber die Vorbereitung verlief holprig. Die großen Gala-Auftritte, die man von ihm kennt, blieben aus. Brasilien hofft auf den alten Neymar, der Spiele im Alleingang entscheiden kann. Was man bislang gesehen hat, war ein Spieler, der noch nicht wieder bei sich ist.
Das muss kein Urteil sein. Aber Fragezeichen, die man vor dem Turnier nicht beantwortet, beantwortet das Turnier meistens selbst. Manchmal zu einem sehr ungünstigen Zeitpunkt.