Nicht jeder Spieler, der zur Weltmeisterschaft fährt, fährt als Sympathieträger. Manche verdienen ihr Geld damit, den Gegner nervös zu machen. Andere haben es zur Kunstform erhoben, auf dem Boden zu liegen. Und einige tun alles, was ein fairer Fußballmensch als persönliche Beleidigung empfindet. Herzlich willkommen zur offiziell-inoffiziellen Top-10 der WM-Spieler, die jeder Fußballfan heimlich – oder auch ganz offen – nicht ausstehen kann.
Cucurella, Neymar, Rüdiger, Pepe, Arnautovic, Memphis – das sind keine Fußballspieler, das ist ein Ensemble. Wenn die sechs in einer Gruppe wären, würde die Zuschauerzahl explodieren. Und die Nervenzusammenbrüche auch.
1. Marc Cucurella (Spanien) – Der Schiedsrichter-Magnet
Platz eins geht an den Mann, dem es gelungen ist, einen ganzen Erdteil gegen sich aufzubringen. Marc Cucurella hat eine Fähigkeit verfeinert, die in keinem Trainingshandbuch steht: Er bringt Gegner dazu, Karten zu sehen, ohne selbst etwas Illegales zu tun. Oder auch mit – je nach Kamerawinkel. Berühmt wurde er bei der EM 2024, als sein Haarseil für mehr Diskussionen sorgte als manches Gruppenspiel.
Cucurella fällt elegant, beschwert sich geschickt und dreht sich so, dass der Schiedsrichter immer die falsche Perspektive hat. Spanien liebt ihn. Alle anderen: weniger.
2. Neymar (Brasilien) – Der Bodenspezialist
Neymar wäre der beste Spieler der Welt, wenn Fußball im Liegen gespielt würde. Niemand verbringt mehr Zeit auf dem Rasen als der Brasilianer. Das Kuriose: Neymar kann wirklich Fußball spielen. Besser als fast jeder andere. Aber irgendwann entschied er, dass das allein nicht reicht, und belegte das Schauspielen als Zweitstudium. Abschluss: Auszeichnung.
Bei der WM 2026 kehrt er nach langer Verletzungspause zurück. Wenn er fit ist, ist er brillant. Wenn er den Strafraum betritt, geht er mit einer Wahrscheinlichkeit von gefühlt 60 Prozent zu Boden. Der Rest der Welt verdreht die Augen.
3. Antonio Rüdiger (Deutschland) – Die lebende Einschüchterungstaktik
Antonio Rüdiger hat verstanden, dass Angst eine taktische Waffe ist – und er greift sie mit beiden Händen. Der Real-Madrid-Verteidiger schaut Stürmer so an, als würde er sie einladen, den nächsten Zweikampf nochmal zu überdenken. Die Zähne-Geschichte aus seiner Chelsea-Zeit ist dokumentiert.
Bei der deutschen Nationalmannschaft ist er Lautsprecher, Motivator und Einschüchterungs-Botschafter. Gegner überdenken manchmal nach einem Rüdiger-Zweikampf ihren Lebensplan. Das ist Respekt. Aber ein bisschen hasst man ihn trotzdem.
4. Pepe (Portugal) – Der ewige Bösewicht
Pepe ist 43 Jahre alt und bei seiner fünften Weltmeisterschaft. Das allein wäre eine Heldengeschichte, wenn Pepe je aufgehört hätte, der Antagonist zu sein. Der Portugiese hat mehr Karten gesehen als manche Spieler Einsätze – und tut das alles mit einer Miene, die sagt: “Ich habe keine Ahnung, wovon ihr redet.”
Man hasst ihn. Man bewundert ihn. Man kann nicht glauben, dass er noch da ist. Und man hofft insgeheim, dass er nie aufhört – weil die WM ohne ihn um eine Dimension ärmer wäre.
5. Emiliano Martínez (Argentinien) – Der Provokations-Keeper
Emiliano Martínez ist einer der besten Torhüter der Welt. Aber er ist auch der Keeper, der nach dem WM-Sieg 2022 eine Trophäe in einer Art hielt, die selbst hartgesottene Fußballfans erröten ließ, und der gegnerische Elfmeterschützen mit psychologischen Tricks bearbeitet, die an der Grenze des Erlaubten entlanglaufen. Er ist genialer Wahnsinn in Handschuhen.
Spätestens nach dem Elfmeterschießen eines wichtigen Spiels wird man ihn entweder lieben oder hassen. Meistens Letzteres, wenn man nicht Argentinier ist.
6. Granit Xhaka (Schweiz) – Die wandelnde rote Karte
Granit Xhaka sammelt Gelbe Karten wie andere Leute Treuepunkte. Rote Karten kommen regelmäßiger als WM-Turniere. Der Schweizer Mittelfeldspieler hat echte Qualität – und die Fähigkeit, in entscheidenden Momenten mehr zu geben, als das Regelwerk erlaubt.
Bei der WM 2026 wird er irgendwann in einem wichtigen Spiel eine Verwarnung bekommen. Das ist keine Spekulation. Das ist Statistik.
7. Marko Arnautovic (Österreich) – Der Temperamentsbolzen
Marko Arnautovic ist 37 Jahre alt, 130-maliger Nationalspieler und Österreichs Rekordtorschütze. Er ist auch der Spieler, der bei der EM 2021 nach einem Treffer gegen Nordmazedonien wegen eines umstrittenen Jubel-Kommentars gesperrt wurde. Arnautovic feiert mit ganzer Seele – und manchmal mit mehr, als der Verband toleriert.
Für Österreich ist er eine Legende. Für Gegner ist er unangenehm, physisch dominant und in der Lage, eine Partie allein durch seine Anwesenheit zu kippen. Liebenswürdig und gleichzeitig polarisierend – das ist die Arnautovic-Formel.
8. Memphis Depay (Niederlande) – Das wandelnde Ego
Memphis Depay ist ein Stürmer mit der Selbstwahrnehmung eines Weltstars und der Karrierekurve eines Mannes, der häufiger den Verein gewechselt hat als manche Spieler Länderspiele gemacht haben. Er ist talentiert. Er ist schnell. Und er weiß das sehr genau – zu genau, wie viele Gegenspieler und Mitspieler im Laufe der Jahre berichteten.
Memphis Depay ist der Spieler, der bei der WM aufdrehen kann – und der genauso gut komplett unsichtbar bleiben kann. Beides tut er mit identischem Selbstbewusstsein. Das Tattoo-Portfolio deutet ebenfalls auf Überzeugung hin.
9. Ousmane Dembélé (Frankreich) – Das Talent, das nervt
Ousmane Dembélé hat seit Jahren das Potenzial, einer der besten Spieler der Welt zu sein. Gelegentlich zeigt er es auch. Dazwischen liegt ein Repertoire aus Sturzszenen, verpassten Chancen und einem Spielstil, der so oft ins Nirgendwo führt wie er Tore produziert. Dembélé ist der Spieler, bei dem Kommentatoren regelmäßig vergessen, ob sie ihn loben oder kritisieren wollen – weil er beides gleichzeitig verdient.
Für Frankreich ist er unverzichtbar. Für neutrale Zuschauer ist er eine Achterbahn. Und für Verteidiger, die ihn gerade nicht stoppen konnten, ist er schlicht unerträglich.
10. Vinicius Jr. (Brasilien) – Der Samba-Provokateur
Vinicius Jr. ist einer der gefährlichsten Angreifer der Welt und bei Real Madrid gesetzt wie die Sonne über Spanien. Er ist auch der Spieler, dessen Torjubelrituale regelmäßig mehr Diskussionen auslösen als die Tore selbst. Samba-Tanzen im gegnerischen Strafraum: für die einen Ausdruck brasilianischer Spielfreude, für die anderen eine gezielte Provokation.
La Liga hat sich offiziell zu seinen Feierlichkeiten geäußert. Gegnerische Spieler auch – unoffiziell und mit deutlicheren Worten. Vinicius gewinnt damit Freundschaften und verliert sie gleichzeitig. Bei der WM 2026 wird Brasilien von ihm abhängen. Der Rest der Welt kann entscheiden, ob er sie unterhält oder ärgert.