England hat eine Tradition darin, seinen Nationaltrainer zu lieben und zu hassen. Thomas Tuchel hat das am 22. Mai auf die Spitze getrieben. Sein WM-Kader gilt als “wahrscheinlich der schockierendste seit 1998”. Das ist kein Kompliment – und es ist auch keins, das Tuchel stört.
Tuchel hat nicht die 26 talentiertesten Spieler nominiert. Er hat die 26 nominiert, die sein System spielen. Das ist entweder mutig oder naiv – je nachdem, wie England bei der WM abschneidet.
Foden, Palmer, Trent – die Namen, die fehlen
Phil Foden hatte eine schwache Saison bei Manchester City. Cole Palmer war bei Chelsea nicht auf seinem Niveau von 2023/24. Trent Alexander-Arnold ist seit Monaten aus dem Rhythmus. Tuchels Erklärung: “Wir versuchen, die beste Mannschaft aufzustellen – nicht die 26 talentiertesten Spieler zu sammeln.” In England klingt das wie Ketzerei. Foden und Palmer schauen die WM vom Sofa aus.
Ivan Toney: Die Überraschung des Kaders
Während Stars draußen bleiben, kommt Ivan Toney rein. Der Stürmer spielt seit einem Jahr für Al-Ahli in Saudi-Arabien – und hat dort 32 Tore in einer Saison erzielt. Tuchel schätzt seine Stärken: physisch präsent, kopfballstark, nervenstark im Elfmeterschießen. Für Toney ist es eine Genugtuung nach Wettbetrug-Vorwürfen, Sperre und Abschreibung durch viele Experten.
Englands Stärken trotz allem
Auch ohne Foden, Palmer und Trent ist England kein schwaches Team. Jude Bellingham ist gesetzt und einer der besten Spieler der Welt. Bukayo Saka ist in Bestform. Die Frage ist, ob Tuchels kontroverser Kader der richtige Weg ist. Wenn er Recht hat, ist er ein Genie. Wenn nicht, wird er das klassische England-Trainerschicksal teilen.