Der Vorwurf ist unbewiesen, aber die Konstellation erklärt sich von selbst: Ein Verband wartet auf Geld, gleichzeitig läuft ein Wahlkampf. Solange die FIFA nicht erklärt, warum die Prämie liegen bleibt, arbeitet jeder Tag Schweigen gegen Infantino.

4,2 Millionen Dollar und ein Wahltermin
Der Vorwurf steht auf X, öffentlich, mit Namen. Jordanien wurde im Dezember 2025 Zweiter beim FIFA Arab Cup in Katar. Das Preisgeld dafür – Medienberichten zufolge 4,2 Millionen Dollar – sei bis heute nicht ausgezahlt, schreibt Prinz Ali. Während die FIFA gleichzeitig damit werbe, wie viele Milliarden sie in Reserve halte.
Dann der Satz, um den es geht: Während der Weltmeisterschaft sei ihm mündlich mitgeteilt worden, eine Unterstützung Infantinos bei der Wahl im März 2027 würde seinem Verband erheblich helfen. Al-Husseins Fazit: Die Situation laufe auf Erpressung hinaus, man weigere sich nachzugeben. Belege für die Behauptung liegen nicht vor. Die dpa hat den Weltverband um eine Stellungnahme gebeten.
Zur Einordnung gehört die Vorgeschichte. Prinz Ali kandidierte 2015 gegen Sepp Blatter und 2016 gegen Infantino, von 2011 bis 2015 saß er im FIFA-Exekutivkomitee. Ein alter Gegner also. Das entkräftet den Vorwurf nicht – es erklärt nur, warum ausgerechnet er ihn erhebt.
Der Boykott kam von den Verbänden – und ist erst mal vom Tisch
Die eigentliche Eskalation lief eine Woche früher. Am 30. Juli beschlossen alle 55 UEFA-Mitgliedsverbände einstimmig, sämtliche FIFA-Turniere zu boykottieren, falls Infantino seinen Investorendeal durchzieht. Eine WM ohne Europa. In der Nacht zum Samstag zog die FIFA das Projekt zurück, nachdem auch Concacaf und die AFC abgewunken hatten.
Damit ist die Drohung erledigt, der Machtkampf nicht. In Rabat versammelte Infantino am Mittwoch das Top-Management um sich und bekam die interne Rückendeckung, die vorher zu bröckeln drohte. In einem Schreiben an Vizepräsidenten und Councilmitglieder räumen er und Generalsekretär Mattias Grafström Fehler bei der Kommunikation ein – und kündigen an, künftig keine Angriffe auf die Integrität der FIFA mehr zu dulden. Erst Entschuldigung, dann Drohung, in einem Dokument.
Rücktritt? Keine Option. Infantino will im März 2027 in Marokko für eine weitere Amtszeit bis 2031 antreten und postet inzwischen jedes Unterstützungsschreiben, das eintrifft – acht asiatische Verbände bislang, Katar inklusive. Saudi-Arabien schweigt noch. Auf der anderen Seite haben Wales und Serbien angekündigt, ihn offiziell nicht mehr zu stützen.
Stürzen ließe er sich über eine Mehrheit im 37-köpfigen Council oder über einen außerordentlichen Kongress, für den 43 der 211 Stimmen reichen würden. Beides ist rechnerisch machbar. Bloß fehlt bis heute etwas Entscheidendes: ein Gegenkandidat.