Rudolph hat recht, wenn er den Bayern-Vergleich ablehnt – nur nicht aus dem Grund, den er nennt. Der VfL steht finanziell noch weiter über seiner Liga, als Bayern es über der Bundesliga tut. Wer so einkauft, muss aufsteigen. Alles andere wäre ein Betriebsunfall.

Mehr Ausgaben als der Rest der Liga zusammen
22,7 Millionen Euro hat Wolfsburg in diesem Sommer für neue Spieler ausgegeben. Die anderen 17 Zweitligisten kommen nach öffentlich bekannten Ablösesummen zusammen auf knapp 19 Millionen. Ein Klub gibt mehr aus als eine komplette Liga.
Der Kadermarktwert unterstreicht das Bild: rund 169 Millionen Euro laut transfermarkt.de. Zweitbester Wert der Liga ist der FC St. Pauli mit etwa 46 Millionen. Das ist der Abstand, um den es geht – und deshalb klebt das Etikett so hartnäckig.
Rudolph will es trotzdem nicht tragen. Der FC Bayern stehe für Erfolg, harte Arbeit und höchste Ansprüche, sagt er, von den Vergleichen halte er nichts, weil sie es allen anderen bequem machten. Man werde niemandem den Gefallen tun, sich selbst so zu nennen. Erst müsse der VfL beweisen, dass er in dieser harten Liga bestehen könne.
„Der Etat ist stark gesunken” – und trotzdem reicht es für Reese
Rudolph verweist auf den Kontext: Der Etat sei im Vergleich zur Bundesliga deutlich geschrumpft, den Ausgaben stünden etliche Transfererlöse gegenüber. Beides stimmt. Unter dem Strich hat Wolfsburg in diesem Sommer sogar ein klares Transferplus erzielt. Man wollte Erfahrung, Führung und Zweitliga-Stärke, sagt er – und nicht das Geld habe die Spieler überzeugt, sondern das Projekt.
Bei Fabian Reese darf man das hinterfragen. Acht Millionen Euro überwies der VfL an Hertha BSC für den bisherigen Kapitän der Berliner, 91 Pflichtspiele, 35 Tore, 31 Vorlagen. Für viele Zweitligisten liegt diese eine Ablöse über dem gesamten Transferbudget. Dazu kamen Hornby, Glatzel, Wahl, Rexhbecaj und Wellenreuther. Und Amoura ist mit in die zweite Liga gegangen.
Ein Kader, gebaut für genau ein Jahr Unterhaus. Alles andere wäre bei diesen Investitionen betriebswirtschaftlicher Unsinn.
Am Samstag um 20:30 Uhr kommt der 1. FC Kaiserslautern in die Volkswagen Arena, Topspiel des ersten Spieltags. Danach wird man weniger über Marktwerte reden und mehr darüber, ob Tobias Strobls neu zusammengesetzte Mannschaft in dieser Liga tatsächlich funktioniert. Denn eines hat Rudolph richtig erkannt: Bezahlt wird nicht im Sommer. Bezahlt wird im Mai.