Mbappé, Olise, Dembélé: Warum Frankreich gerade jeden überrollt
Die Zahlen sprechen für sich, und sie sprechen laut. 3:1 gegen Senegal, 3:0 gegen den Irak, 4:1 gegen Norwegen, 3:0 gegen Schweden. Dreizehn Tore in vier Partien, nur drei Gegentore. Kylian Mbappé steht im Zentrum dieser Show. Sein Doppelpack gegen die Schweden hievt ihn auf 18 WM-Tore insgesamt – eine Marke, die sein Standing in der ewigen Torschützenliste weiter zementiert. Doch Mbappé allein erklärt diese Dominanz nicht.
Michael Olise liefert im Halbraum ab, was Trainer sich erträumen: zwei Assists im jüngsten Spiel, dazu eine Präsenz, die gegnerische Außenverteidiger regelrecht auflöst. Ousmane Dembélé ergänzt das Trio mit Tempo und Unberechenbarkeit, die kaum ein Verteidiger timen kann. Die internationale Fachpresse greift inzwischen zu Superlativen – die Rede ist von einer “obszönen Überlegenheit”. Ein hartes Wort. Aber wer die letzten vier Auftritte gesehen hat, widerspricht kaum.
Frankreich spielt gerade nicht gegen Gegner, sondern gegen die eigene Torstatistik von vor vier Jahren. Wer diese Offensive stoppen will, braucht mehr als einen Plan – der braucht ein Wunder.

Das System dahinter: Balance statt Blindwütiges Stürmen
Was diese Offensive besonders gefährlich macht, ist das Gerüst, auf dem sie steht. Didier Deschamps lässt im gewohnten 4-2-3-1 spielen, doch die Balance zwischen Absicherung und Umschaltspiel funktioniert gerade wie am Schnürchen. William Saliba und Dayot Upamecano stehen hinten wie eine Wand. Vorne brechen Barcola und Dembélé mit Tempo durch Lücken, die sich durch genau diese defensive Sicherheit erst öffnen. Ballgewinn, drei Pässe, Tor – so simpel liest sich das Muster inzwischen.
Trotzdem: Ganz ohne Fragezeichen bleibt diese Bilanz nicht. Gegen Norwegen leistete sich die Défense phasenweise Aussetzer, die ein cleverer Gegner hätte bestrafen können. Norwegen tat es nicht – konsequent genug jedenfalls nicht. Genau hier liegt der Unterschied zwischen “unbesiegbar” und “bisher nicht besiegt”. Zwei völlig verschiedene Aussagen, die im Trubel um Mbappés Torquote gerne verwechselt werden.
Paraguay als erster echter Charaktertest
Am Samstag, den 4. Juli 2026, wartet im Philadelphia Stadium das Achtelfinale gegen Paraguay. Auf dem Papier ein klarer Außenseiter. Genau solche Spiele aber kippen Turniere, wenn Favoriten in Konzentrationsphasen abschalten – und Frankreich hat in diesem Turnier genau solche Phasen bereits gezeigt, wenn auch bislang folgenlos.
Bleibt die Passivität in der Defensive aus, dürfte Paraguay kaum Mittel finden, dieses Offensivfeuerwerk zu stoppen. Erlaubt sich die Mannschaft dagegen erneut Nachlässigkeiten, reicht ein cleverer Konter, um eine scheinbar makellose Bilanz zu erschüttern. “Unbesiegbar” ist ein großes Wort. Frankreich hat bisher jeden Grund geliefert, es zu benutzen – und Paraguay die erste echte Gelegenheit, es zu widerlegen.