Der Fußball hat sich verändert. Pressing, Positionsspiel, Ballbesitz – die taktischen Revolutionen der letzten zwei Jahrzehnte haben das Spiel schneller, technischer, intelligenter gemacht. Und trotzdem: Wenn es in der Nachspielzeit um alles geht, wenn eine Ecke kommt, wenn ein Freistoß gefährlich in den Strafraum segelt, dann möchte man jemanden neben sich haben, der groß ist. Sehr groß. Die WM 2026 hat mehrere davon – und sie dominieren nicht trotz ihrer Größe, sondern auch wegen ihr.
Van Dijk, Maguire, Milenkovic, Rüdiger – wenn die vier in einer Ecke stehen, braucht man keine Wettquote. Man braucht einen Kran, um den Ball aus dem Strafraum zu holen.
Der Riese aus Serbien: Nikola Milenkovic und seine 196 Zentimeter
Nikola Milenkovic ist der größte Feldspieler bei dieser WM – und er weiß, wie man damit umgeht. Der serbische Innenverteidiger misst 196 Zentimeter und ist damit nicht nur körperlich präsent, sondern auch fußballerisch kompetent. Das ist nicht selbstverständlich. Viele große Verteidiger sind groß und langsam, groß und unbeweglich, groß und gut im Kopfball aber schlecht in allem anderen. Milenkovic ist groß und spielintelligent. Er überspringt den gegnerischen Stürmer und leitet danach sofort auf den freien Mann um. Das macht ihn gefährlich – und Serbien zu einer unterschätzten Größe bei diesem Turnier.
Bei der WM 2026 ist er der Fels, um den herum das serbische Defensivspiel gebaut ist. Gegner, die auf Flanken setzen und auf Kopfbälle hoffen, werden bei Milenkovic schnell eines Besseren belehrt: Er ist oben am Ball, bevor der Angreifer überhaupt abgesprungen ist.
Van Dijk und Rüdiger: Klasse und Körper in einem
Virgil van Dijk (193 cm, Niederlande) und Antonio Rüdiger (190 cm, Deutschland/Real Madrid) sind die bekanntesten Namen auf dieser Liste – und das aus gutem Grund. Van Dijk hat Liverpool und die Niederlande über Jahre stabilisiert, ist mit 34 Jahren immer noch einer der dominantesten Innenverteidiger der Welt und gewinnt Zweikämpfe auf eine Art, die gleichzeitig brutal und elegant wirkt. Er springt, er köpft, er sichert ab. Drei Handlungen, eine Bewegung.
Rüdiger ist anders. Der Deutsche bei Real Madrid ist 190 Zentimeter groß und bringt eine Intensität mit, die die Zuschauer manchmal erschreckt und die Stürmer immer erschreckt. Er presst, er grätscht, er schlägt Alarm, wenn seine Mitspieler es nicht tun. Bei Real Madrid hat er gelernt, seine Körpergröße mit taktischer Disziplin zu verbinden. Bei der deutschen Nationalmannschaft ist er der Anführer, der Ton setzt – laut, deutlich, unüberhörbar.
Torhüter: Wenn die Größten noch größer werden
Der Durchschnittsspieler bei einer Weltmeisterschaft ist etwa 181 Zentimeter groß. Das klingt respektabel. Aber die wirklich großen Spieler auf dem Platz sind häufig die Torhüter. Mike Maignan, Frankreichs Stammkeeper, misst 191 Zentimeter und ist damit größer als viele Feldspieler auf dem Platz. Das ist kein Zufall: Moderne Torhüter werden bewusst auf Größe ausgewählt, weil der Strafraum im modernen Fußball ein Chaos aus Körpern und Flanken ist, und wer dort dominieren will, braucht Reichweite.
Maignan ist nicht nur groß, er ist auch schnell und technisch sicher. Frankreich hat in ihm einen Keeper, der die Balance aus Stärke und Beweglichkeit gefunden hat. Gegen Fernschüsse ist er reaktionsschnell, gegen Flanken ist er dominant. Für Gegner bedeutet das: Es gibt kaum eine einfache Lösung gegen Frankreich im Strafraum.
Klein schlägt Groß – oder doch nicht?
Die WM 2026 beantwortet eine alte Fußballfrage neu: Ist Größe ein entscheidender Vorteil? Die Antwort ist wie immer: Es kommt darauf an. Große Verteidiger dominieren Standards, gewinnen Luftzweikämpfe, schüchtern ein. Kleine Techniker umkurven sie, spielen schnell und im Eins-gegen-eins oft besser. Lamine Yamal (172 cm) macht van Dijk das Leben schwer. Messi (170 cm) hat Rüdiger schon oft ausgetrickst.
Aber in den entscheidenden Momenten, wenn der Ball in der 90. Minute in den Strafraum fliegt, dann sind die Riesen im Vorteil. Das wissen die Trainer. Das wissen die Wettanbieter. Und das wissen die Spieler auch. 196 Zentimeter sind kein Nachteil – sie sind, in den richtigen Momenten, der entscheidende Unterschied.