Ralf Rangnick hat Österreich verändert. Nicht nur auf dem Platz, sondern im Kopf. Seit er 2022 als Teamchef übernahm, hat der ÖFB das Viertelfinale der EM erreicht und sich erstmals seit 1998 für eine WM qualifiziert. Jetzt läuft sein Vertrag aus – und ob er verlängert wird, ist offener denn je. Die Verhandlungen stocken. Und ein Topklub aus Italien soll bereits warten.
Rangnick ist der beste Nationaltrainer, den Österreich je hatte. Aber er weiß das auch. Der ÖFB muss ihm mehr bieten als nur Geld – er braucht echte Kontrolle über die Strukturen. Sonst geht er. Und dann beginnt beim ÖFB die nächste Ära der Orientierungslosigkeit.
Das abgelehnte Angebot
Der ÖFB hat Rangnick ein Verlängerungsangebot unterbreitet – mit einer deutlichen Gehaltserhöhung auf rund zwei Millionen Euro jährlich, finanziert über vier Sponsoren und einen 20-Prozent-Eigenanteil des Verbands. Rangnick hat abgelehnt. Nicht wegen des Geldes, sondern wegen der Inhalte. Er fordert strukturelle Verbesserungen: mehr Einfluss auf Nachwuchskonzepte, klarere Entscheidungswege, eine modernere Verbandsstruktur. Der ÖFB ist noch nicht soweit.
Rangnick selbst ließ zuletzt verlauten, er sehe “keinen übermäßigen Zeitdruck” in der Vertragsfrage. Das klingt gelassen – ist aber auch eine Drohung. Wer keinen Zeitdruck hat, kann auch gehen.
AC Milan und Ibrahimovic
Laut einem Bericht der “Gazzetta dello Sport” sollen Milan-Berater Zlatan Ibrahimovic und Klubeigner Gerry Cardinale Rangnick persönlich in Wien getroffen haben – mit einem Angebot in der Tasche: Sportdirektor bei einem der traditionsreichsten Klubs Europas. Rangnick wäre nicht Trainer, sondern der Mann hinter dem Mann. Eine Rolle, die zu seiner Philosophie passen würde: Systeme bauen, Strukturen schaffen, Klubs transformieren. Das hat er bei RB Leipzig gemacht. Das könnte er bei Milan machen.
Ob das Angebot konkret ist oder nur Spekulation, ist unklar. Aber allein die Gerüchte zeigen: Rangnick hat Optionen – und der ÖFB weiß das.
Was der ÖFB jetzt braucht
Im ÖFB-Aufsichtsrat soll es Stimmen geben, die eine Verlängerung an eine Bedingung knüpfen wollen: Achtelfinale oder mehr bei der WM. Das wäre sportlich mutig – und strategisch fragwürdig. Eine Verlängerung von einem WM-Ergebnis abhängig zu machen, riskiert genau den Abgang, den man verhindern will.
Rangnick hat drei Jahre gebraucht, um aus dem ÖFB-Team etwas zu bauen. Dieses Wissen geht verloren, wenn er geht. Österreich hat mit ihm etwas erlebt, das es vorher nicht kannte: einen Trainer, der für sich spricht – mit Ergebnissen. Die WM 2026 ist sein Werk. Was danach kommt, liegt am ÖFB.