Ein WM-Finale bei Luft, vor der die eigenen Behörden ausdrücklich warnen? Da entscheidet am Sonntag der Wind mehr als jeder Trainer.

New York erstickt – zwei Tage vor dem größten Spiel
Der Rauch kommt von über 800 Waldbränden in Kanada. Er zieht seit Tagen über den Nordosten der USA, legt sich als graugelber Schleier über die Skyline und drückt den Luftqualitätsindex stellenweise in den Bereich „sehr ungesund”. Dazu Code Red: New York meldet eine Hitze-Notlage mit gefühlten Temperaturen jenseits der 40 Grad. Gouverneure und Bürgermeister verteilen Masken und raten den Menschen, draußen kürzerzutreten.
Der Sport spürt das längst. In Chicago verlegten die Veranstalter das MLS-Duell zwischen Fire und Vancouver – Robert Lewandowskis Liga-Debüt fällt damit vorerst aus, verschoben auf Oktober. In New York musste eine Partie im Yankee Stadium alle 15 Minuten Trinkpausen einlegen, damit die Spielerinnen überhaupt durchkamen. In Toronto sagten die Organisatoren ein Fan-Fest ab. Kleinigkeiten? Vielleicht. Aber sie zeigen, wie dünn die Luft gerade wirklich ist.
Fällt das Finale ins Wasser? Was die Prognose sagt
Die gute Nachricht zuerst. Meteorologen erwarten für Samstag eine Kaltfront und kräftigen Regen, dazu am Sonntagmorgen frischen Wind. Beides soll den Großteil des Rauchs aus der Luft waschen. Zum Anpfiff um 15 Uhr Ortszeit rechnen die Prognosen mit rund 29 Grad und teils sonnigem Himmel. Klingt machbar.
Trotzdem bleibt ein Restrisiko, und das liegt an der Bühne selbst. Das MetLife Stadium ist ein offener Bau – kein Dach, keine Klimaanlage. Spanien, Argentinien und 80.000 Fans bekommen ab, was der Himmel liefert. Und ausgerechnet die FIFA hat für den Fall „Rauch” keine sauberen Notfallregeln. Für Blitz, Hitze und Regen gibt es Protokolle. Für dichten Waldbrand-Qualm? Fehlanzeige.
Verschoben wird bislang nichts. Ein WM-Finale kippt man nicht mal eben um zwei Tage – die Verträge stehen, die Reisepläne auch. Es läuft also auf ein Zittern hinaus. Nicht ums Ergebnis. Um den Wind.