Elf Minuten Madonna, aber für die Spieler soll die Viertelstunde reichen? Die FIFA hat sich ein Schlupfloch gebastelt und nennt es Show. Fußball als Vorband – willkommen in der neuen WM.

Halbzeitshow im WM-Finale 2026: 11 Minuten Musik, aber wie lange Pause?
Fangen wir bei den Fakten an. Die eigentliche Musikshow dauert laut FIFA exakt elf Minuten. So weit, so harmlos. Das Problem beginnt drumherum: Bühne aufbauen, Weltstars auf den Rasen bringen, wieder abbauen. Britische Medien wie BBC und Times berichten von einer Gesamtpause zwischen 20 und 30 Minuten. Bestätigt hat die FIFA diese Zahlen bisher nicht.
Und genau da wird es heikel. Regel 7 des IFAB, der obersten Regelinstanz im Fußball, ist eindeutig: Den Spielern steht eine Halbzeitpause von maximal 15 Minuten zu. Ändern darf man das nur mit Erlaubnis des Schiedsrichters. Also Regelbruch? Oder cleveres Schlupfloch, das die FIFA über den Unparteiischen legalisiert? Sagen wir es so: Sauber wirkt das nicht.
Auf der Bühne wird es voll. Neben Madonna, Shakira und Justin Bieber steht auch K-Pop-Riese BTS im Line-up, dazu Burna Boy und Coldplay. Kuratiert wird das Ganze von Coldplay-Frontmann Chris Martin. Ein Festival-Plakat, mitten in ein Fußballspiel geklebt.
Kommerz-Wahnsinn oder guter Zweck? Der alte Streit ums lange Warten
Neu ist der Konflikt nämlich nicht. 2021 wollte der südamerikanische Verband CONMEBOL die Pause generell auf 25 Minuten verlängern. Das IFAB lehnte ab – mit dem Argument, längere Inaktivität schade Wohlbefinden und Sicherheit der Spieler. Zwei Jahre später ließ CONMEBOL beim Copa-América-Finale trotzdem Shakira rund 25 Minuten auftreten. Man kennt das Muster.
Kritiker bringen genau diesen Punkt: Spieler kühlen aus, verlieren den Rhythmus, das Verletzungsrisiko steigt. Dagegen steht ein guter Zweck. Die Show sammelt für den FIFA Global Citizen Education Fund, Ziel: 100 Millionen Dollar für Kinderbildung weltweit. Kein kleines Anliegen.
Und Gianni Infantino? Der schwärmt von der „größten Bühne aller Zeiten”. Kritik an ihm prallt ab wie üblich. Bleibt die Frage, die am Sonntag mitläuft: Sehen wir ein Finale – oder eine Vorband mit Fußball in der Verlängerung?