Undav hat gegen Finnland gezeigt, dass er mehr ist als eine Joker-Option. Wer zweimal trifft und noch eine Vorlage gibt, stellt Fragen, die Nagelsmann beantworten muss – spätestens gegen Curaçao am 14. Juni.
Undav liefert das perfekte Bewerbungsschreiben – Havertz unter Druck
61 Minuten. So lange stand Deniz Undav am Samstag in der Mewa Arena auf dem Platz – und lieferte dabei das vollständigste Bewerbungsschreiben ab, das ein Stürmer kurz vor einem Weltmeisterschaftsstart einreichen kann. Kopfball zum 1:0 in der 33. Minute, Vorlage für Florian Wirtz, dann der zweite Treffer kurz nach der Pause. Eisig, präzise, unberechenbar.
Das Problem: Kai Havertz ist in Nagelsmanns System eigentlich gesetzt. Die „falsche Neun”, die presst, kombiniert, Räume schafft. Havertz hat diese Rolle über Monate verinnerlicht, er ist das taktische Rückgrat der deutschen Offensive. Daran ändert ein Testspiel gegen Finnland offiziell nichts.
Aber Fußball ist kein Amt, das man auf Lebenszeit bekommt. Undav bringt etwas mit, das Havertz strukturell schwerfällt: klassische Strafraumstärke. Den Instinkt, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Nagelsmann weiß das. Er hat Undav nicht zufällig von Beginn an aufgestellt. Das war kein Gnadenakt – das war ein Test. Und Undav hat bestanden.
Der Fahrplan steht – jetzt zählt nur noch das Turnier
Mit dem Abpfiff in Mainz ist die Vorbereitungsphase auf deutschem Boden Geschichte. Am 6. Juni wartet im Soldier Field in Chicago der Co-Gastgeber USA – ein letzter Stresstest, bevor es ernst wird. Am 14. Juni trifft die Nationalmannschaft in Houston auf Curaçao zum WM-Auftakt der Deutschland WM 2026.
Was danach kommt, hat es in sich: Toronto am 20. Juni gegen die Elfenbeinküste, New Jersey am 25. Juni gegen Ecuador. Drei Städte, drei Klimazonen, extremer Reiseaufwand. Der DFB reist mit einem kompletten Medizin- und Fitnessstab – Zeitzonenwechsel und Hitze in Texas sollen die Leistungsfähigkeit der Mannschaft nicht antasten.
Jamal Musiala und Florian Wirtz trafen ebenfalls gegen Finnland, Youngster Lennart Karl legte ein Tor auf. Die Offensive der Nationalmannschaft läuft. Vielleicht sogar zu gut – denn jetzt muss Nagelsmann Entscheidungen treffen, die nicht mehr alle glücklich machen werden.