Die FIFA hat sich ein Turnier auf drei Länder, 16 Städte und einen Kontinent verteilt, der logistisch kaum funktioniert – und wundert sich jetzt, dass nicht alles reibungslos läuft. Wer 48 Teams aufnimmt, muss auch 48-Teams-Infrastruktur liefern. Das hier ist kein Organisationsproblem. Das ist ein Konzeptproblem.

WM 2026: Wenn das Turnier das kleinste Problem ist
Das Turnier findet statt. Das steht fest. Aber was es gerade abliefert, ist ein Gesamtbild, das niemand wirklich gebraucht hätte. Mexiko, die USA und Kanada haben gemeinsam das größte WM-Format aller Zeiten auf die Beine gestellt – und pünktlich zum Start stapeln sich die Probleme so gleichmäßig, dass es fast schon Methode hat.
Fangen wir mit dem Offensichtlichen an. In Michoacán, keine 300 Kilometer vom WM-Spielort Guadalajara entfernt, wurden am Vorabend des Eröffnungsspiels fünf Polizisten bei einem bewaffneten Angriff getötet. Das Jalisco-Kartell ist in der Region aktiv. Mexiko hat daraufhin 100.000 Sicherheitskräfte mobilisiert, Überwachungsdrohnen eingeschlossen. Zwischen den abgesperrten Hochsicherheitszonen rund um die Stadien und dem Rest des Landes klafft allerdings eine Lücke, die kein Militäraufgebot einfach schließt. Und auf den Straßen Mexiko-Stadts demonstrieren derweil Lehrerverbände und Angehörige von Verschwundenen – die WM als globale Bühne, genutzt für alles außer Fußball.
Leere Ränge, überfüllte Autobahnen, ein abwesender Gastgeber
In den USA sieht das Problem anders aus, aber nicht kleiner. Ein öffentlicher Nahverkehr, der diesen Namen verdient, existiert in den meisten Spielorten schlicht nicht. Fans, die von New York nach Los Angeles oder von Dallas nach Seattle wollen, fliegen – oder fahren. Das kostet. Und das merkt man an den Ticketverkäufen: Trotz angeblicher Rekordnachfrage liegen kurz vor Turnierbeginn massenhaft Karten unverkauft. Die FIFA hat dynamische Preisgestaltung eingeführt, die Hotelpreise haben den Rest erledigt. Das Ergebnis sind Stadien, die bei einem WM-Gruppenspiel nicht ausverkauft sind. Das gab es schon bei der WM 1994 in den USA – und das war kein Ruhmesblatt.
Trump wird nicht kommen. Der US-Präsident schickt Außenminister Rubio zu dem Spiel, das seine eigene Mannschaft in Los Angeles bestreitet. Gleichzeitig darf ein FIFA-Schiedsrichter aus Somalia nicht einreisen, weil er auf einer Verbotsliste steht. Das ist keine Kleinigkeit. Die WM ist ein globales Ereignis – und der Gastgeber macht Einreisepolitik, die am Globalen wenig Interesse zeigt.
Geopolitisch zündet das Turnier an gleich mehreren Fronten. Vor dem SoFi Stadium in Kalifornien kam es bereits zu Protesten rund um den US-Iran-Konflikt. US-Sicherheitsbehörden stufen Drohnenangriffe als ernstes, kaum kalkulierbares Risiko ein. Und in Seattle deklariert das Organisationskomitee ein WM-Spiel zwischen Ägypten und dem Iran zum offiziellen „Pride Match” – woraufhin beide Verbände Protestbriefe an die FIFA schicken und der Weltverband so tut, als hätte er damit nichts zu tun.
Die WM 2026 findet statt. Irgendwie. Aber das Bild, das sie nach außen abgibt, ist das eines Turniers, das zu groß für seinen eigenen Anspruch ist.