Manchmal reicht ein Blick auf die Torminuten, um alles zu verstehen: 0:0 zur Pause. 51. Minute Van Dijk. 57. Minute Nakamura. 64. Minute Summerville. 88. Minute Kamada. Ein Spiel, das erst nach der Pause begann – und in einem Moment endete, den niemand wollte außer Japan.
Niederlande 2:2 Japan – das ist das bisher beste Spiel des Turniers laut Presse, und ich verstehe warum. Vier Tore, alle nach der Pause, Kamada in der 88. als Schlusspunkt. Aber für die Niederlande ist das kein Kunstgenuss – das sind zwei verlorene Punkte. Und in der Gruppenphase kann das am Ende entscheiden, ob man Erster oder Zweiter wird. Oder ob man gar nicht weiterkommt.
Erste Halbzeit: Viel Beobachten, nichts Entscheidendes
0:0 nach 45 Minuten. Zwei Teams, die sich abtasten, Räume verwehren, kein Risiko eingehen. Die Niederlande hatte mehr Ballbesitz, Japan stand kompakt mit hoher Defensivdisziplin. Es war kein schreckliches Spiel – aber ein zartes. Alles wartete auf den richtigen Moment. Der kam in der zweiten Hälfte. Gleich viermal.
Van Dijk führt – Nakamura antwortet sofort
51. Minute: Virgil van Dijk, Kapitän und nach wie vor einer der weltbesten Innenverteidiger, trifft per Kopf zum 1:0. Sechs Minuten später: Keito Nakamura, 57. Minute, 1:1 für Japan. Sechs Minuten Führung – mehr bekamen die Niederlande nicht. Das ist das Japan von 2022, das die Gruppensieger Deutschland und Spanien besiegte. Das ist eine Mannschaft mit Mentalität und taktischer Disziplin. Das ist kein Zufall.
Summerville dreht zurück – Oranje sieht den Sieg
64. Minute: Crysencio Summerville trifft zum 2:1. Die Niederlande wieder vorne, 26 Minuten bis zum Abpfiff. Das sollte reichen. Japan war angeschlagen. Oranje stand kompakter. Der Sieg war greifbar – und die Niederlande ließ ihn liegen. Japan ließ nicht locker: pressingintensiv, laufstark, ohne jeden Anflug von Resignation. Und dann kam die 88. Minute.
Kamada in der 88. – das späte Drama
Daichi Kamada, 88. Minute, Ecke, Kopfball – 2:2. Das Stadion hielt den Atem an. Die Niederlande hatte den Sieg fast in der Tasche, und Japan holte ihn zurück. Kamada, der bei Lazio und zuletzt bei Crystal Palace gespielt hat, köpfte den Ausgleich nach einer Standardsituation – genau die Art von Tor, die man defensiv verhindern muss. Das war ein Fehler der Niederlande. Nicht von Japan.
Was das für die Gruppenphase bedeutet
Rückblickend: Das sind zwei Punkte, die weg sind. Für Japan: ein Punkt drauf, der alles offenhält. In einer engen Gruppe kann das den Unterschied zwischen Achtelfinale und Heimreise machen. Die Niederlande muss in den nächsten Spielen liefern – und darf in der Schlussphase nicht mehr so auseinanderfallen. Japan dagegen? Hat heute bewiesen, dass sie 2022 kein Ausrutscher war. Die Samurai Blue sind eine echte WM-Mannschaft.