Eine WM, bei der Fans aus Teilnehmerländern am Flughafen abgewiesen werden und Menschenrechtsorganisationen Reisewarnungen herausgeben – das ist kein Fußballfest, das ist ein politisches Statement der schlimmsten Art.
167.000 Verhaftungen in WM-Städten – in sieben Wochen
Die Zahlen sind erschreckend: Zwischen dem 20. Jänner und dem 10. März 2025 verhaftete die US-Einwanderungsbehörde ICE mindestens 167.000 Menschen in und um die elf WM-Austragungsstädte der USA. Zum Vergleich: Im MetLife Stadium, dem Austragungsort des WM-Finales in New Jersey, haben rund 82.000 Plätze Platz. Die Zahl der Verhaftungen übertrifft also die Zuschauerkapazität des Finalstadions um das Doppelte – und das in weniger als zwei Monaten.
Human Rights Watch beschreibt die aktuelle Situation in den USA als “humanitäre Notlage” mit “diskriminierenden Einwanderungspolitiken, Masseninternierungen und willkürlichen Verhaftungen”. Die Organisation fordert die FIFA auf, von der Trump-Regierung einen formellen “ICE Truce” zu verlangen – also eine öffentliche Garantie, dass während WM-Spielen und in WM-Venues keine Einwanderungsdurchsuchungen stattfinden.
Travel Ban: Fans aus diesen Ländern dürfen nicht einreisen
Trumps Travel Ban trifft direkt WM-Teilnehmerländer. Fans aus Iran, Côte d’Ivoire, Haiti und Senegal unterliegen Einreisebeschränkungen, die ihnen faktisch den Weg zu WM-Spielen in den USA versperren. Côte d’Ivoire und Senegal qualifizierten sich für das Turnier – ihre eigenen Fans können in der Mehrzahl der Fälle kein US-Visum bekommen.
Bereits beim FIFA Club World Cup 2025 hatten Fans von betroffenen Nationen ihre Tickets weiterverkauft – aus Angst vor Verhaftung oder Deportation. Dieses Klima des Misstrauens könnte sich bei der WM potenzieren.
ICE in den Stadien?
NBC News berichtete, dass ICE-Agenten möglicherweise bei WM-Spielen in den Stadien präsent sein werden. Zwei Beamte des Department of Homeland Security bestätigten, dass ICE-Officiere als Teil des Sicherheitspersonals eingesetzt werden – jedoch angeblich keine Zuschauer auf ihren Immigrationsstatus hin überprüfen sollen. “Angeblich” ist dabei das Schlüsselwort: Menschenrechtsorganisationen zweifeln daran, dass diese Zusicherung in der Praxis eingehalten wird.
Amnesty International warnt internationale Besucher
Amnesty International USA hat eine offizielle Reisewarnung für die WM 2026 herausgegeben. Die Organisation warnt vor rassistischem Profiling an Grenzübergängen, der Durchsuchung elektronischer Geräte ohne Verdacht und der Gefahr, in Einwanderungsdetentionszentren zu landen, falls man festgehalten wird. Eine Warnung, die an die Reisehinweise für autoritäre Staaten erinnert – nur dass es sich diesmal um den Gastgeber einer Weltmeisterschaft handelt.
Für Sportwetter ändert das nichts an den Quoten – aber für das Bild dieser WM ist es ein Schatten, der von Anfang bis Ende über dem Turnier liegt.