Stellt euch kurz vor: Donald Trump pfeift das WM-Finale. Gelbe Karte für Mexiko, weil sie zu langsam abbauen. Rote Karte für Kanada, wegen schlechter Verhandlungsführung. Elfmeter für die USA, weil „wir das verdient haben, okay?” Klingt absurd? Willkommen in der WM 2026, wo der Gastgeber-Präsident seit Wochen macht, als wäre er der heimliche FIFA-Chef.
Trump hat diese WM nicht nur begrüßt – er hat sie adoptiert, seinen Namen draufgeklebt und erklärt, dass ohne ihn das alles nie passiert wäre. Mag sein. Aber seit dem Eröffnungsspiel hat er auch nicht aufgehört. Und mit jeder Runde wird es bunter. Dieser Artikel ist eine liebevolle – nein, eine schonungslose – Würdigung all jener Momente, in denen Donald Trump das schönste Spiel der Welt zu seinem eigenen gemacht hat.
Ich wette beruflich auf Fußball. Ich habe noch nie gewettet, wer als nächstes einen Tweet absetzt. Aber bei Trump würde ich anfangen. Der Mann ist berechenbarer als ein Eckstoß von Trent Alexander-Arnold. Immer links, immer scharf, immer auf jemanden der gerade nicht aufpasst.

Die Pressekonferenz, die niemand vergessen wird
Es war nach dem Achtelfinale USA gegen Belgien. Amerika gewann, das Land rastete aus, und Trump trat vor die Kameras. Was folgte, war legendär. „Wir haben gewonnen”, begann er, „und das war das größte Spiel in der Geschichte des Sports, vielleicht aller Zeiten, viele Leute sagen das.” Belgien hatte übrigens fast gewonnen. Dreimal geführt. Dreimal ausgeglichen. Am Ende Elfmeterschießen. Knapper geht’s kaum.
Trump sah das anders. „Es war nicht mal eng. Wir waren die ganze Zeit besser. Unsere Spieler sind fantastisch, die besten Spieler der Welt, das sage ich schon seit Jahren.” Pulisic, der zweimal traf, wurde namentlich erwähnt. Der Rest der Mannschaft wurde kollektiv als „meine Jungs” bezeichnet. Trainer Berhalter bekam keinen einzigen Satz.
Rote Karte für den Gastgeber-Präsidenten
Es gibt im Fußball die rote Karte. Sie kommt, wenn jemand zu weit geht. Zu hart, zu dreist, zu sehr über die Linie. In diesem Geiste – und rein sportlich-satirisch gemeint – hätte Trump in diesen Wochen mindestens drei rote Karten verdient:
Rote Karte Nummer 1: Für den Tweet nach dem Argentinien-Spiel, in dem er schrieb, Messi sei „nett, aber kein echter Champion wie amerikanische Champions”. Messi hat seitdem drei Tore erzielt.
Rote Karte Nummer 2: Für den Vorschlag, das Halbfinale in Mar-a-Lago zu veranstalten. „Mehr Atmosphäre als jedes Stadion”, sagte er. Die FIFA antwortete nicht.
Rote Karte Nummer 3: Für die Executive Order, in der er vorschlug, den WM-Pokal umzubenennen. In was? Er sagte es nicht direkt. Aber man ahnt es.
Wenn Trump Fußballregeln erklären müsste
Das eigentlich Faszinierende an Trump und dieser WM ist die Frage: Versteht er Fußball überhaupt? Alles deutet auf: nein. Beim USA-Spiel gegen Belgien fragte er seinen Berater laut Medienberichten in der 70. Minute, „wann die Halbzeit ist”. Als erklärt wurde, dass es keine zweite Halbzeit mehr gibt, war er „sehr überrascht”.
Abseits? „Klingt wie eine Strafe.” Elfmeter? „Das ist unfair, da muss einer alleine schießen?” Gelbe Karte? „Die können die Farbe selbst wählen, oder?” Diese Zitate sind – zu einem kleinen Teil – frei erfunden. Zu einem nicht ganz so kleinen Teil klingen sie erschreckend plausibel.
Amerika liebt die WM – trotz allem
Aber hier ist das Ding: Amerika hat Fußball entdeckt. Nicht wegen Trump. Sondern wegen Pulisic, wegen der Atmosphäre in den Stadien, wegen der echten Euphorie auf den Straßen. Die WM 2026 hat etwas in den USA entzündet, das kein Politiker entfachen konnte. Und das ist schön.
Trump wird das natürlich für sich beanspruchen. Und irgendwie ist das auch okay – weil am Ende der Fußball gewinnt. Immer. Selbst gegen die größte Persönlichkeit auf dem Platz. Rote Karte hin oder her.
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