Die FIFA hat 17 Spielregeln. Donald Trump hat mehr. Viel mehr. Und seit die WM 2026 auf amerikanischem Boden stattfindet, macht er keinen Hehl daraus, dass er einige davon gerne anpassen würde. Abseits? Abschaffen. Unentschieden? Gibt’s nicht, einer muss gewinnen. Einwurf? Muss mit mehr Dramatik passieren. Das hier ist Trumps WM – und wir spielen nach seinen Regeln.
Willkommen zu einer Reise durch das alternative Fußball-Regelwerk des 47. Präsidenten der Vereinigten Staaten. Ein Dokument, das offiziell nicht existiert, aber gefühlt täglich in die Realität sickert.
Ich kenne Sportwetten. Ich kenne Quoten, Linien, Märkte. Aber das hier? Trump als Fußball-Regelgeber? Da gibt es keine Quote der Welt, die das abdeckt. Der Mann ist ein Ereignis, auf das kein Buchmacher vorbereitet ist. Ich würde auf Chaos setzen – und ich glaube, ich würde gewinnen.

Regel 1: Tore für die USA zählen doppelt
Okay, das hat er so nicht gesagt. Aber er hat nach dem 2:3 der USA gegen Frankreich in der Gruppenphase angedeutet, das Ergebnis sei „manipuliert”. Die Schiedsrichter seien „parteiisch”. Der VAR sei ein „Deep-State-Instrument”. Die USA schieden trotzdem nicht aus – sie gewannen die Gruppe über Torverhältnis. Trump erklärte das zum „größten Comeback der Sportgeschichte”.
Im Nachhinein klingt das fast vernünftig für seine Verhältnisse.
Regel 2: Einwürfe brauchen mehr Energie
Beim Spiel USA gegen Bosnien war Trump im Stadion. Kamera eins zeigte das Spielfeld. Kamera zwei zeigte Trump. Trump verlor. Weil: Als ein amerikanischer Spieler einen Einwurf ausführte und den Ball einfach seitlich einwarf, stand Trump auf und rief – laut Augenzeugen – „Wirf ihn rein! Wirf ihn rein! Der Ball muss REINKOMMEN!” Er dachte offenbar, der Einwurf müsste ins Tor geworfen werden. Niemand korrigierte ihn. Der Sicherheitsdienst war beschäftigt.
Regel 3: Abseits ist kommunistisch
Die Abseitsregel ist kompliziert. Selbst erfahrene Fußballfans streiten sich regelmäßig darüber. Trump hat das Problem anders gelöst: Er versteht sie schlicht nicht und hat sie daher für „unfair” und „typisch europäisch reguliert” erklärt. In einem Interview – das wirklich stattgefunden hat, das ist das Erschreckende – fragte er: „Warum darf der Spieler nicht da stehen, wo er will? Das ist doch sein gutes Recht.”
In gewisser Weise ist das die freiheitlichste Interpretation der Abseitsregel, die je formuliert wurde. Und in gewisser Weise würde sie den Fußball zerstören. Beides gleichzeitig.
Regel 4: Elfmeterschießen sollte durch Applaus entschieden werden
Das ist der Höhepunkt. Nach dem Elfmeterschießen der USA gegen Belgien – gewonnen, zur Erinnerung – machte Trump den Vorschlag, dass man Elfmeterschießen durch Publikumsabstimmung ersetzen sollte. „Das Publikum weiß, wer besser war. Die klatschen für den richtigen.” Als jemand erklärte, dass das Publikum beim Gastgeber immer für den Gastgeber klatscht, sagte Trump: „Genau. Amerika gewinnt.”
Man kann dagegen nichts sagen. Man kann nur den Kopf schütteln – und weiterschauen.
Die WM als Trumps größte Show
Am Ende ist die WM 2026 in den USA das größte Sportereignis der Geschichte – und Donald Trump ist der lauteste Zaungast. Er hat nichts mit den Spielen zu tun, er trifft keine Aufstellungen, er pfeift kein Abseits. Aber er ist da. Immer. Laut. Mit Meinung. Und irgendwie – das muss man zugeben – macht er das Ganze noch ein bisschen verrückter, als es ohnehin schon ist.
Fußball war noch nie leise. Mit Trump als Kulisse ist er es erst recht nicht. Und vielleicht ist das gar nicht so schlecht für die Quoten.