Spanien hat dieses Turnier kontrolliert, Argentinien hat es überlebt. Am Sonntag erfahren wir, was am Ende schwerer wiegt – Perfektion oder purer Wille. Ich würde für dieses Spiel jede Hochzeit absagen.

Messis letzter Tanz: Argentinien und die Kunst des Unmöglichen
Fangen wir mit dem Mann an, um den sich seit Wochen alles dreht. Lionel Messi, 39 Jahre alt, sechste WM, drittes Finale. Gegen England lag Argentinien nach dem Treffer von Anthony Gordon (55.) bis zur 85. Minute hinten – dann legte Messi für Enzo Fernández auf, dann flankte er in der Nachspielzeit mit seinem schwächeren rechten Fuß auf den Kopf von Lautaro Martínez. 2:1. England weinte, Atlanta bebte.
Und das war kein Ausrutscher. Diese Mannschaft dreht Spiele, als wäre es ein Hobby. Gegen Ägypten lag sie im Achtelfinale 0:2 hinten und gewann 3:2. Gegen die Schweiz brauchte sie die Verlängerung. Argentinien spielt nicht das schönste Turnier – aber das zäheste, das nervenstärkste, das gefährlichste.
Jetzt winkt Geschichte. Gelingt am Sonntag die Titelverteidigung, wäre Argentinien die erste Nation seit Brasilien 1962, die den Pokal zweimal in Folge holt. Und Messi? Der hätte dann endgültig alles gewonnen, was dieser Sport hergibt. Zweimal.
Spanien: Die kälteste Maschine des Turniers
Auf der anderen Seite steht ein Team, das keinen einzigen dieser Krimis gebraucht hat. Spanien marschiert durch diese WM wie durch ein Pflichtprogramm: 2:1 gegen Belgien im Viertelfinale, dann das 2:0 gegen Topfavorit Frankreich – abgeklärt, kontrolliert, ohne eine Sekunde echter Gefahr. Keine Mannschaft im Turnier verteidigt besser. Keine lässt weniger zu.
Und vorne? Da wirbelt Lamine Yamal, gerade 19, mit einer Selbstverständlichkeit über den Platz, als hätte er Endspiele schon im Kindergarten gespielt. Der Europameister von 2024 kann am Sonntag das Double aus EM- und WM-Titel perfekt machen – und den ersten Weltmeistertitel seit 2010 nach Madrid holen. Eine ganze Generation um Yamal, Pedri und Rodri wartet auf ihre Krönung.
Warum Sie dieses Finale nicht verpassen dürfen
Es ist das 104. und letzte Spiel der größten WM aller Zeiten. Über 80.000 Zuschauer im New-York-New-Jersey-Stadium. Erstmals in der Geschichte eine Halbzeitshow im WM-Finale. Dazu die eine Frage, die den Weltfußball seit Jahren begleitet: Reicht es für Messi noch einmal – oder übergibt er die Bühne an den Jungen, der sie als Nächstes beherrschen wird?
Vergangenheit gegen Zukunft. Comeback-Könige gegen Kontrollfreaks. Südamerika gegen Europa. Sie können sich Sonntagabend natürlich etwas anderes vornehmen. Aber dann erzählen Ihnen Montag alle anderen, was Sie verpasst haben.
Anpfiff: Sonntag, 19. Juli, 21:00 Uhr MESZ. Neunzig Minuten, vielleicht hundertzwanzig – und am Ende hebt entweder ein 39-Jähriger zum letzten Mal den wichtigsten Pokal der Welt, oder ein 19-Jähriger zum ersten Mal.