Früher war Folgendes eine angemessene Definition von „WM-Legende”: 16 Tore in einer gesamten Karriere. Miroslav Klose hat dafür vier Turniere und zwölf Jahre gebraucht. Die halbe Fußballwelt hat gejubelt. Und jetzt kommt Messi und schießt bei einer einzigen WM über 20 Dinger rein – und irgendwie wirkt das alles schon fast… normal? Was zur Hölle ist hier passiert?
Willkommen in der neuen WM-Realität. 48 Teams, mehr Spiele, schwächere Gegner in den frühen Runden – und mittendrin ein 38-jähriger Argentinier, der aussieht als hätte er einen Pakt mit dem Fußball-Teufel geschlossen. Messi bei der WM 2026 ist das absurdeste, beeindruckendste und verwirrendste Phänomen des modernen Sports.
Was Messi gerade macht, ist schlicht nicht menschlich. Aber mal ehrlich: Wenn ein 38-Jähriger gegen Kap Verde und Ägypten trifft, ist das eine andere Kategorie als Klose 2006 gegen Costa Rica. Beides ist großartig – aber man muss den Kontext kennen.

Klose hatte 16 Tore. In einer KARRIERE. Messi trifft das in einer Halbserie
Lass das kurz sacken. Miroslav Klose – einer der besten WM-Stürmer aller Zeiten – hat 16 Tore in vier Turnieren, über zwölf Jahre Weltklasse-Fußball erzielt. Jedes einzelne Tor in Spielen, wo eine Niederlage Urlaub bedeutet hätte. 2002, 2006, 2010, 2014 – jedes Mal alles rausgehauen. 16 Tore. Rekord. Heilig. Unantastbar.
Jetzt kommt die WM 2026. Messi läuft auf. Dribbelt. Trifft. Trifft nochmal. Trifft im Achtelfinale gegen Ägypten zum 2:2, nachdem Argentinien schon 0:2 hinten lag. Und steht nach dem Achtelfinale bei 21 WM-Toren – bei einem Turnier. Die Zahl klingt wie ein Tippfehler. Sie ist keiner.
Aber Moment – 48 Teams ist nicht dasselbe wie 32
Hier kommt der Teil, den Messi-Fans nicht hören wollen: Das neue WM-Format macht Rekorde nicht wertlos, aber es macht sie anders. Bei 48 Teams spielen in der Gruppenphase Mannschaften mit, gegen die ein gutes Kreisliga-Team nicht verlieren würde. Kap Verde. Ägypten. Bosnien-Herzegowina. Messi hat gegen diese Teams getroffen – natürlich. Wäre seltsam, wenn nicht.
Klose 2006 hatte in der Vorrunde Costa Rica, Polen, Ecuador. Das waren keine Weltmächte – aber auch keine Kanonenfutter-Nationen. Der Unterschied ist real. Wenn das Format mehr Spiele gegen schwächere Gegner bietet, produziert es automatisch höhere Torstatistiken. Das ist Mathematik, kein Vorwurf gegen Messi.
Und doch: Was Messi macht, ist jenseits aller Erklärungen
Trotzdem – und das muss man sagen – ist das, was Messi bei dieser WM abliefert, schlicht nicht normal. Der Mann ist 38. Karriereende? Kein Thema. Abgebaut? Vom wegen. Er dreht im Achtelfinale ein 0:2, trifft in der 83. Minute zum Ausgleich, lässt Enzo Fernández dann in der Nachspielzeit den Sieg schießen – und sieht dabei aus, als hätte er gerade einen Sonntagsspaziergang gemacht. Das ist keine Statistik mehr. Das ist Magie.
10 Tore in einem Turnier werden für Messi-Nachfolger vielleicht irgendwann „normal” – wenn das Format bleibt. Aber Messi mit 38, der ein WM-Turnier dominiert wie ein 26-Jähriger? Das passiert genau einmal. Und wir erleben es gerade.
Was die Torflut über den modernen Fußball verrät
Die WM 2026 produziert Rekorde am laufenden Band. Mehr Tore, mehr Überraschungen, mehr Statistiken. Das ist gut fürs Fernsehen, gut für Infantino, gut für die Sponsoren. Aber es verwässert auch die Vergleichbarkeit mit früheren Generationen. Pelé, Klose, Ronaldo, Messi – alle in unterschiedlichen Formaten, mit unterschiedlich starken Gegnern, zu unterschiedlichen Zeiten. Absolut-Vergleiche sind Unsinn. Was bleibt, sind die Momente: Klose 2006 im Kopfball-Rausch. Messi 2026 im Achtelfinale, wenn alles brennt, und er trotzdem trifft.
Rekorde kommen und gehen. Solche Momente nicht.
Fazit: Staunen – aber mit Verstand
Messi ist der Beste, den es je gab. Das steht außer Frage. Was er bei der WM 2026 macht, ist außerirdisch. Aber wenn jemand in zehn Jahren sagt „21 WM-Tore in einem Turnier, das toppt Klose mit 16 in vier Turnieren” – dann muss man den Kontext kennen. Das 48-Team-Format ist eine andere Welt. Messi ist in dieser Welt trotzdem der König. Und das reicht eigentlich.
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