Die FIFA hat den Schwarzmarkt nicht bekämpft, sie hat ihn einfach selbst übernommen. Fünfstellige Ticketpreise, 30 Prozent Provision beim Resale, und der normale Fan schaut zu Hause auf den Fernseher. Das ist keine Weltmeisterschaft mehr, das ist ein Börsenparkett mit Rasen.

Dynamic Pricing: Die FIFA spielt Ticketmaster
Erstmals in der WM-Geschichte setzt die FIFA auf dynamische Preisgestaltung. Klingt technisch. Bedeutet konkret: Der Algorithmus riecht die Nachfrage und dreht die Preise hoch. Zum Vergleich – in Katar 2022 kostete das teuerste reguläre Finalticket rund 1.600 Dollar. Diesmal? Im Last-Minute-Fenster verlangte die FIFA für Kategorie 1 satte 10.990 Dollar. Die günstigsten Finalkarten starteten bei 4.185 Dollar. Für ein Fußballspiel.
Und das ist nur der Anfang. Wer aus Europa anreist, zahlt für Transatlantik- und Inlandsflüge zwischen den Host-Cities in den USA, Kanada und Mexiko das Zwei- bis Dreifache des Normalpreises. Die Distanzen sind gigantisch, das Bahnnetz ein schlechter Witz, und selbst die Regionalbahn zum Finalstadion in New Jersey ruft an Spieltagen Sonderpreise auf. Ein WM-Trip für die K.-o.-Runde? Realistisch 5.000 bis 9.000 Euro pro Person. Nach oben offen.
Der Markt schlägt zurück – und die Justiz schaut hin
Die bittere Ironie: Das System frisst sich selbst. Weil die Preise so viele Fans abgeschreckt haben, brachen die Hotelraten in Städten wie Atlanta, Dallas und Miami um rund ein Drittel gegenüber ihrem Höchststand ein. Die Nachfrage, mit der die FIFA ihre Wucherpreise rechtfertigt, bleibt an manchen Orten schlicht aus.
Richtig unangenehm wird es juristisch. Die Generalstaatsanwälte von New York und New Jersey ermitteln offiziell – wegen überhöhter Kosten, irreführender Angaben zu Sitzplätzen und Verkaufsfenstern, die die Nachfrage künstlich anheizten. Parallel betreibt die FIFA ihre eigene Resale-Plattform und kassiert dort 15 Prozent vom Käufer plus 15 Prozent vom Verkäufer. Ein Finalticket wurde dort zeitweise für über eine Million angeboten. Der Verband nennt das “fair market value”. Man könnte es auch anders nennen.
Infantino verspricht die größte WM aller Zeiten. Für Fans mit normalem Gehalt ist sie vor allem eines: die erste, bei der man draußen bleibt.