Die Balogun-Begnadigung ist ein Geschmäckle, das die FIFA nicht mehr loswird. Sportlich aber macht sie das Spiel erst richtig heiß: Mit Balogun haben die USA eine echte Chance – Belgien hat in diesem Turnier noch keine 90 Minuten lang stabil verteidigt.

Balogun-Wende: Wenn der Präsident bei der FIFA durchklingelt
Die Geschichte ist fast zu absurd, um wahr zu sein. Balogun trifft gegen Bosnien-Herzegowina, fliegt nach VAR-Eingriff mit Rot vom Platz, gilt als gesperrt. Dann greift Donald Trump zum Telefon, ruft FIFA-Boss Gianni Infantino an – und siehe da: Die Disziplinarkommission setzt die Sperre “auf Bewährung” aus. Der beste US-Torschütze des Turniers (drei Treffer) darf spielen. Sportpolitisch ein Skandal mit Ansage. Für Mauricio Pochettino: ein Geschenk.
Denn die USA sind heiß. Das 2:0 gegen Bosnien war erst der zweite K.-o.-Sieg der amerikanischen WM-Geschichte – errungen in Unterzahl, veredelt durch Malik Tillmans Freistoß-Traumtor. Das ganze Land träumt vom ersten Viertelfinale seit 2002. Und die Kulisse in Seattle wird kochen.
Belgiens Wackel-Turnier: Alternde Stars, offene Flanken
Und Belgien? Bleibt ein Rätsel. Zähe Nullnummer gegen den Iran, mageres 1:1 gegen Ägypten, dann das 5:1-Feuerwerk gegen Neuseeland. Im Sechzehntelfinale gegen Senegal lag die Truppe von Rudi Garcia 0:2 hinten, wirkte über weite Strecken langsam und ausrechenbar – ehe Youri Tielemans in der 125. Minute per Elfmeter das späteste WM-Tor seit 1966 versenkte. Moral: ja. Stabilität: Fehlanzeige. In drei von vier Turnierspielen kassierten die Roten Teufel mindestens ein Gegentor.
Die Geschichte spricht trotzdem für Belgien. Seit dem 3:0 der Amerikaner bei der Ur-WM 1930 haben die USA kein einziges Duell mehr gewonnen. 2014 warfen De Bruyne und Lukaku die USA in der Verlängerung raus – beide stehen auch heute noch auf dem Platz. Und erst im März fegte Belgien die Amerikaner im Testspiel mit 5:2 aus dem eigenen Stadion in Atlanta.
Aber genau da liegt der Reiz: Testspiel ist Testspiel. Heute Nacht geht es um alles, vor 70.000 Amerikanern, gegen eine belgische Abwehr, die jedem Gegner Chancen schenkt. Pulisic, Tillman, Balogun gegen die letzte Tournee der goldenen Generation. Der Sieger trifft im Viertelfinale auf den Gewinner des Iberien-Krachers Portugal gegen Spanien. Die Sensation? Sie ist möglich. Vielleicht sogar überfällig.